Rheinische Post: Merkels
schöne Welt
Kommentar Von Martin Kessler
ID: 1221422
weiß-blauer Kulisse empfing die Kanzlerin die wichtigsten Staats- und
Regierungschefs der freien Welt in Oberbayern. Harmonie unter denen,
die sich den gleichen Werten verpflichtet fühlen, soll das Treffen
der G7 symbolisieren. Das ist Merkel bislang perfekt gelungen. Doch
unter der Oberfläche sind massive Interessengegensätze sichtbar. Die
USA drängen auf ein schnelles Freihandelsabkommen mit den Europäern,
auf eine rasche Lösung der griechischen Krise und wollen sich in ihre
Sicherheits- und Überwachungspolitik nicht hineinreden lassen. Merkel
geht genau aus diesem Grund ein wenig auf Distanz zum großen Freund,
mahnt mehr Engagement im Klimaschutz an und warnt vor zu schneidigen
Antworten auf die russische Aggression. Dazu kommen die Sonderwünsche
der Franzosen und Italiener, die EU-Müdigkeit der Briten und der
einsame Kampf der Japaner gegen die Deflation. Der Vorteil der
Wertegemeinschaft ist die bei allem Streit zivilisierte Art, wie
diese Gegensätze ausgetragen werden. Das ist der Wert des Gipfels.
Warum dazu 22.000 Polizisten, mehr als 200 Millionen Euro Kosten und
ein solches Spektakel notwendig sind, bleibt freilich das Geheimnis
der Organisatoren.
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Datum: 07.06.2015 - 19:47 Uhr
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