Westfalenpost: Wenn es dem Tier besser geht, fühlt der Mensch sich wohler
Von Harald Ries
ID: 1247557
Veganerinnen die Lebensstil-Diskussion prägen und Soja-Bolognese
selbst beim Discounter Einzug hält, haut der Deutsche so viele Würste
auf den Grill wie niemals zuvor? Eigentlich gar nicht. Doch erstens
bleibt auch eine wachsende kleine Minderheit eine kleine Minderheit,
und wenn die Mehrheit pro Kopf ein halbes Schwein verzehrt, prägt die
eben die Statistik.
Und zweitens wurde jetzt nicht der Fleischkonsum, sondern die
Fleischerzeugung erfasst. Und da fallen einem die französischen
Bauern ein, die kürzlich noch gegen Importe protestierten, die
Dumpingpreise und Hungerlöhne in deutschen Schlachthöfen
kritisierten. Ausbeutung ist trotz Mindestlohn weiter ein Teil dieser
Wirklichkeit.
Und die Tiere? Sicherlich gibt es viele gute Gründe, auf Fleisch
zu verzichten. Vielleicht ernährt sich die Menschheit in 50 Jahren
von Nüssen und Algen. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht. Und
schon gar nicht lindert Gemüsepropaganda das Leid der Nutztiere von
heute. In der Realität essen die meisten Menschen Fleisch und wollen
es auch weiter tun. Manche wollen gar nicht wissen, wo es herkommt.
Viele würden sich aber wohler fühlen, wenn es den Tieren besser
ginge.
Die Tierwohl-Initiative ist auf dem Weg ein kleiner Schritt voran,
nicht ausreichend, aber besser als nichts. Appelle an die
Verbraucher, weniger Fleisch von besserer Qualität zu höheren Preisen
zu kaufen und so mehr Tierschutz zu ermöglichen, haben wenig bewirkt.
Wie die Schnitzelpreise und die Schlachtstatistik zeigen.
Auch Züchter und Mäster wollen keine Tiere quälen, aber sie müssen
am Markt überleben. Ihn so zu gestalten, dass Tierschutz kein Luxus
mehr ist, wäre Aufgabe einer Agrarpolitik, die nicht nur für
Lobbyisten agiert.
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Datum: 06.08.2015 - 21:54 Uhr
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