Südwest Presse: KOMMENTAR · FLÜCHTLINGE
ID: 1252426
Falsche Richtung Man kann sich die Situation in den
Erstaufnahmeeinrichtungen vorstellen: Viele hundert Menschen in
beklemmender Enge. Jeder von ihnen voll mit Albträumen und Schmerz.
Angefüllt aber auch mit der Erwartung, dass nach Monaten der Angst
nun ein Leben in Sicherheit beginnt. Was kommt, ist zunächst ein
nervenzehrendes Warten - auf ein Gespräch, ein Papier, einen Stempel.
Das kann Übersprungshandlungen erzeugen und Gewalt, wie die Vorgänge
im thüringischen Suhl zeigen. Unsicherheit, Fremdheit und ein zum
Teil über Generationen vererbter Hass auf andere Ethnien oder
Religionen sind weitere Funken für solche Eruptionen. Dass es zu
Ausbrüchen kommt, kann nicht überraschen, mehr schon, dass dies
vergleichsweise selten geschieht. Politiker fordern nun eine Trennung
der Flüchtlinge nach Ethnien. Der Vorschlag zielt in die Irre. Er
spiegelt weder die Situation in den Erstaufnahmestellen, in denen
Platz gesucht wird, egal wo. Noch passt er zu einem Leben in
Deutschland. Abgesteckte ethnische Zirkel oder Ghettos sind manchmal
dem Leben oder der Einkommenssituation geschuldet, wünschenswert sind
sie nicht. Sie reduzieren die Konflikte unter Angehörigen
verschiedener Kulturen nicht, sondern konzentrieren sie. Wer in
Deutschland lebt, muss sich dem Miteinander unterschiedlicher Ethnien
und Religionen stellen. Das trifft die Mehrheitsgesellschaft ebenso
wie die Flüchtlinge.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 20.08.2015 - 18:47 Uhr
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