Kurden werden im Stich gelassen / medico international: Hintergründe zur Situation in Kobane

Kurden werden im Stich gelassen / medico international: Hintergründe zur Situation in Kobane

ID: 1257524
(ots) - Das Bild des auf der Flucht umgekommenen
Junge aus dem syrisch-kurdischen Kobane geht um die Welt und steht
für die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer und das europäische
Scheitern. Das Bild und die Geschichte des Kindes steht aber auch
paradigmatisch auch für das Scheitern einer Politik, die "die
vermeintliche geostrategische und wirtschaftliche Interessen
wichtiger findet als Humanität", so Marin Glasenapp,
medico-Nahostreferent, der mehrfach Kobane besucht hat. Die syrischen
Kurden, so Glasenapp, die einen hohen Preis bezahlt haben, um den IS
aus Kobane zu vertreiben, seien nach der Befreiung der Stadt im Stich
gelassen worden.

Unsere Partner vor Ort berichten heute aus der Stadt über die
aktuelle Situation. In der zu 60 Prozent zerstörten Stadt lebten
130000 Menschen. Und jede Woche kämen 3000 hinzu. Aber das Attentat
von ISIS hänge wie eine Glocke über der Stadt, weil ein solcher
Anschlag jederzeit wieder passieren könne. Außerdem behindere die
Türkei jeden Zugang humanitärer Güter über die Grenze. Auch Kurden
aus der Türkei und aus der kurdisch-türkischen Behörden in der
Grenzregion, wie zum Beispiel der Bürgermeister von Suruc, dürften
die Grenze nicht passieren, obwohl gerade von hier viel Aufbauhilfe
kommen könne und die Bereitschaft dazu sehr groß sei. Stattdessen
seien türkisch-kurdischen Intiativen von Verhaftung bedroht. In der
Grenzregion herrsche seitens der Türkei permanente Willkür.

"Familien aus Kobane brauchen Sicherheit, damit sie dort bleiben
können", so Martin Glasenapp. "Die europäische und US-amerikanische
Politik hat ihnen diese Sicherheit verweigert, als man die Türkei zum
Hauptakteur der IS-Bekämpfung machen wollte."

Nach der Tragödie im Mittelmeer, müssten klare politische
Konsequenzen gezogen werden, so Glasenapp. Die Bundesregierung müsse


Druck einen weitaus größeren Druck auf die Türkei ausüben, die
Grenzen für Güter zum Wiederaufbau zu öffnen. Der Krieg gegen die
Kurden müsse sofort beendet werden. Auch hier sei klarer politischer
Druck von außen nötig.

Der Vater der ertrunkenen Familie ist mittlerweile nach Kobane
zurückgekehrt. Vor einem Jahr war die Familie vor dem IS geflogen.
Wie er haben viele Menschen in Kobane Angehörige und Freunde
verloren. Es ist Zeit für einen Politikwechsel: "Jetzt brauchen wir
ein klares Zeichen für das Recht aller Menschen auf der Flucht vor
Krieg und Armut auf Schutz und Sicherheit."

Medico unterstützt den Wiederaufbau von Kobane, unter anderem mit
Projekten im sozialmedizinischen Bereich.



Pressekontakt:
Für Hintergrundinfos und Interviewanfragen wenden Sie sich an Martin
Glasenapp: 01791091553

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Datum: 03.09.2015 - 11:17 Uhr
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