Guatemala: ROG fordert nach Präsidentenrücktritt konsequenten Kampf gegen Straflosigkeit

Guatemala: ROG fordert nach Präsidentenrücktritt konsequenten Kampf gegen Straflosigkeit

ID: 1257639
(ots) - Reporter ohne Grenzen (ROG) ist besorgt über die
zunehmende Zahl von Übergriffen und Repressionen gegen Journalisten
in Guatemala. Immer öfter werden Journalisten bedroht oder unter
Druck gesetzt, um Themen wie Korruption oder die Aktivitäten von
Drogenkartellen und organisiertem Verbrechen totzuschweigen. Die
einschüchternde Wirkung solcher Vorfälle ist umso stärker, weil die
Justiz die Hintermänner bislang nur selten zur Rechenschaft gezogen
hat. Das entschlossene Vorgehen der Justiz wegen der schweren
Korruptionsvorwürfe gegen den heute zurückgetretenen
Staatspräsidenten Otto Pérez Molina (http://t1p.de/trvi) sollte
deshalb als Chance zu einem Umsteuern genutzt werden.

"Ein konsequentes Vorgehen gegen die Kultur der Straflosigkeit
wäre ein wichtiger Beitrag zum Kampf gegen Zensur und Selbstzensur in
den Medien", sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. "Guatemalas
Justiz sollte nun beweisen, dass sie künftig auch Verbrechen an
Journalisten ohne Ansehen der Person verfolgt."

DIESES JAHR MINDESTENS ZWEI JOURNALISTEN ERMORDET

Seit Jahresbeginn sind in Guatemala mindestens zwei Journalisten
ermordet worden: Anfang März erschossen in der Provinzhauptstadt
Mazatenango zwei Männer von einem Motorrad aus die beiden
Korrespondenten Danilo López (Prensa Libre) und Federico Salazar
(Radio Nuevo Mundo). Ein dritter Journalist, Marvin Túnchez, wurde
bei dem Angriff verletzt. López hatte wegen seiner Berichterstattung
über Themen wie Behördenmissmanagement Drohungen lokaler Beamter
erhalten und nach Angaben seines Chefredakteurs den Bürgermeister
eines Ortes im Departamento Suchitepéquez wegen Todesdrohungen
angezeigt (http://t1p.de/qy6k).

Insgesamt zählte die alternative Nachrichtenagentur CERIGUA
(Centro de Reportes Informativos Sobre Guatemala) in den ersten


achteinhalb Monaten dieses Jahres 74 Verletzungen der Pressefreiheit
- 37 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2014, als es 54 vergleichbare
Vorfälle gab. Besonders häufig sind Drohungen sowie Druck und
Einschüchterungsversuche gegen Journalisten, die in vielen Fällen von
Behördenvertretern, Repräsentanten der politischen Parteien oder von
Sicherheitskräften ausgehen. Hinzu kommen direkte Zensur,
missbräuchliche Justizverfahren, tätliche Angriffe und
wirtschaftlicher Druck auf kritische Medien.

Ungewöhnlich deutlich wurden die Angreifer der Fernsehmoderatorin
Susana Morazán, nachdem sie ihr im Januar den Kiefer gebrochen
hatten: "Hör auf, schlecht über die Regierung zu reden", gaben sie
ihr als Warnung mit (http://t1p.de/1tu9). Edwin Pitán von der
Tageszeitung Prensa Libre wurde Ende Juli von einem Leibwächter des
Vizepräsidentschaftskandidaten Edgar Barquín tätlich angegriffen, als
Reporter den Politiker nach einer Veranstaltung mit kritischen Fragen
bedrängten. Juan Luis Font, Leiter des Wochenmagazins ContraPoder,
und Prensa-Libre-Kolumnist Pedro Trujillo erhielten Drohnungen,
nachdem sie im Vorwahlkampf den Präsidentschaftsbewerber Manuel
Baldizón kritisiert hatten.

DIREKTE ZENSUR UND EINSCHÜCHTERUNG DURCH STRAFANZEIGEN

Anfang August ließ der Kongresskandidat Enrique Maldonado, der
zugleich Eigentümer des Kabelnetzbetreibers Servicable ist, die
Übertragung der Fernsehsender Optimo 23 und ATV 24 unterbrechen, weil
diese Informationen über Kandidaten konkurrierender Parteien
verbreiteten (http://t1p.de/16zi).

Ein prominentes Beispiel für die zunehmenden Versuche,
Journalisten durch Strafanzeigen einzuschüchtern, sind die
zahlreichen Klagen gegen den Gründer und Präsidenten der
regierungskritischen Tageszeitung El Periódico, José Rubén Zamora
(http://t1p.de/17uq). Unter anderem zeigte ihn die damalige,
mittlerweile wegen Korruptionsvorwürfen in Untersuchungshaft sitzende
Vizepräsidentin Roxana Baldetti im November 2013 wegen sexueller
Belästigung an (http://t1p.de/6o1y).

Präsident Pérez persönlich verklagte Zamora etwa zur gleichen Zeit
unter anderem wegen Beleidigung, Nötigung und Erpressung. Bevor Pérez
die Anzeige schließlich zurückzog, belegte ein Gericht den
Journalisten zeitweise mit einem Ausreiseverbot und fror seine
Bankkonten ein.

NICHTKOMMERZIELLE RADIOSENDER MÜSSEN OFT ILLEGAL ARBEITEN

Besorgniserregend ist auch die Situation der nichtkommerziellen
lokalen Radiosender (radios comunitarias) der indigenen Bevölkerung
in Guatemala. Weil sie infolge diskriminierender Gesetze kaum Chancen
haben, Frequenzen zugeteilt zu bekommen, müssen sie oft illegal
arbeiten und sind willkürlichen Razzien und Beschlagnahmen ausgesetzt
(http://t1p.de/gx2n).

Guatemala steht auf Platz 124 von 180 Ländern auf der Rangliste
der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. Weitere Informationen
zur Situation der Journalisten dort finden Sie unter
www.reporter-ohne-grenzen.de/guatemala/.



Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Aserbaidschan: ROG kritisiert Haftstrafe für Investigativjournalistin Khadija Ismajilowa Bürger legen BND an die Kette / Menschenkette und Kundgebung vor der neuen BND-Zentrale in Berlin
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 03.09.2015 - 13:24 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1257639
Anzahl Zeichen: 5616

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Menschenrechte



Diese Pressemitteilung wurde bisher 366 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Guatemala: ROG fordert nach Präsidentenrücktritt konsequenten Kampf gegen Straflosigkeit"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Reporter ohne Grenzen e.V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit guter Pressefreiheit: Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Rangliste der Pressefreiheit 2026 ...
Fünf Kernpunkte der Rangliste der Pressefreiheit 2026: - Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fallen mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien der Welt in die Kategorien "schwierig" oder "sehr ernst". - "Gut" ist

Drei Jahre unter den Taliban: Bundesregierung lässt afghanische Journalisten im Stich ...
Nur sechs afghanische Journalistinnen und Journalisten haben es bisher geschafft: Sie konnten mit Hilfe von Reporter ohne Grenzen (RSF) über das Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan (BAP) nach Deutschland kommen. Zum dritten Jahrestag der Machtübernahme der Taliban zieht die Organisation in einem Be

Reporter ohne Grenzen schockiertüber Gewalt gegen Journalisten in den USA ...
Reporter ohne Grenzen (RSF) ist entsetzt über die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in den USA, die nach dem Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd über Proteste gegen Polizeigewalt berichteten. Innerhalb weniger Tage kam es zu mindestens 68 Übergriffen auf Medienschaffende, da


Weitere Mitteilungen von Reporter ohne Grenzen e.V.


Aserbaidschan: ROG kritisiert Haftstrafe für Investigativjournalistin Khadija Ismajilowa ...
Reporter ohne Grenzen (ROG) ist empört über die Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren für die Investigativjournalistin Khadija Ismajilowa in Aserbaidschan. Ein Gericht in der Hauptstadt Baku befand die international bekannte Reporterin am Dienstag unter anderem der Untreue, illegaler Geschäfte

Syrisches Anti-Terror-Gericht spricht Mazen Darwish frei / ROG fordert Freiheit für alle inhaftierten Journalisten ...
Reporter ohne Grenzen begrüßt die Entscheidung des syrischen Anti-Terror-Gerichts, die Vorwürfe gegen Mazen Darwish und seine Mitarbeiter vom Syrischen Zentrum für Medien- und Meinungsfreiheit (SCM) fallen zu lassen. Nach Angaben des SCM entschied das Gericht in Damaskus am Montag, die Fäll

Reporter ohne Grenzen: Kolumbien muss Schutzprogramm für gefährdete Journalisten reformieren ...
Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert die Regierung Kolumbiens zur umfassenden Reform ihres Programms zum Schutz gefährdeter Journalisten auf. 15 Jahre nach seinem Start hat sich das Programm als ineffektiv und mangelhaft erwiesen und geht an den Bedürfnissen der Journalisten in einem der gefähr

Winkelmeier-Becker: Rassistische und fremdenfeindliche Kommentare müssen wirksam bekämpft werden ...
Gespräche mit Facebook sind nicht ausreichend Über Facebook werden immer wieder rassistische und fremdenfeindliche "Posts" verbreitet. Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker: "Es ist schlimm, dass in die


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z