Rheinische Post: Kommentar: Schmutziger Pakt mit Assad ist keine Lösung
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ganz besonders wir Deutschen, dem syrischen Bürgerkrieg mehr oder
minder tatenlos zugeschaut. Es gab dafür ja auch gute Gründe, oder
besser gesagt: willkommene Entschuldigungen. In diesem mörderischen
Konflikt bekämpfen sich inzwischen Dutzende Gruppen, von denen man
nicht immer so genau weiß, wer nun zu den Guten zählt und wer zu den
Bösen. Zudem waren die Erfahrungen der letzten westlichen
Interventionen in der Region bekanntermaßen nicht sehr ermutigend.
Daran hat sich nichts geändert. Was sich geändert hat, ist die
Betroffenheit. Seit sich die aus ihrer Heimat vertriebenen Syrer zu
Hunderttausenden nach Europa aufmachen, ist die Befriedung Syriens
plötzlich zur Chefsache geworden. Es mag zynisch klingen, aber so ist
es: Es sind nicht die 250.000 Bürgerkriegsopfer, die die
Bundeskanzlerin jetzt zum energischen Handeln drängen. Es sind jene
Syrer, die in München, Dortmund oder Hamburg massenhaft aus
überfüllten Zügen steigen. Egal, könnte man sagen, Hauptsache, es
geschieht endlich etwas. Doch dürfen wir dabei nicht Russlands
Präsidenten Wladimir Putin und seinem Vasallen Baschar al Assad auf
den Leim gehen. Putin wirbt massiv für einen Pakt mit dem syrischen
Diktator. Nur gemeinsam mit ihm könne man die Terror-Horden des
"Islamischen Staats" (IS) besiegen. Nach dem Motto: Der Feind meines
Feindes ist mein Freund. Am Rande der UN-Vollversammlung soll der
Deal in wenigen Tagen besiegelt werden, wenn es nach Putin geht. Die
Aussicht darauf, dass die Großmächte bei der Beilegung des
Bürgerkriegs endlich zusammenarbeiten könnten, ist äußerst
verlockend. Putin und Assad wissen das. Aber ihr Angebot ist keine
Lösung. Denn die allermeisten Syrer fliehen gar nicht vor den
IS-Extremisten, sondern vor dem mörderischen Assad-Regime, das sie
mit Fassbomben und Giftgas angreift. Bei den Flüchtlingen, die
derzeit nach Westeuropa strömen, handelt es sich zu einem großen Teil
um junge Männer, die der Zwangsrekrutierung in die nach jahrelangem
Kampf ausgelaugte syrische Armee entgehen wollen. Das Regime in
Damaskus militärisch zu stützen, wie es Russland jetzt vorschlägt,
führt nicht zur Beendigung, sondern zur Verlängerung des
Bürgerkriegs. Ziel sollte eine politische Lösung sein, die einen
völligen Zerfall Syriens verhindert. Zu diesem Zweck, da hat die
Kanzlerin völlig recht, muss man auch mit Assad reden. Um eine
Übergangslösung auszuhandeln. Aber am Ende, daran darf kein Zweifel
bestehen, muss der Mann gehen. Sonst ist kein Friede denkbar.
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Datum: 24.09.2015 - 20:18 Uhr
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