Westfalenpost: Arbeit in Altenheimen
Der ethisch-moralische Zustand einer Gesellschaft
spiegelt sich auch in ihrem Umgang mit alten Menschen wider.
Angesichts der Situation in vielen Altenheimen sollte uns deshalb ein
kalter Schauer über den Rücken laufen. Was dort vor sich geht, wirkt
wie ein Rückschritt ins Zeitalter der Barbaren.
Warum muten wir
den Pflegekräften eine Last zu, die sie nach menschlichem Ermessen
gar nicht verantwortungsvoll schultern können? Wenn jeder achte
Pfleger nachts mehr als 100 Patienten betreuen muss, ist die
Überforderung doch offensichtlich, und zwar zulasten aller
Beteiligten. Warum lassen wir einer großen Zahl von Mitgliedern
unserer Gemeinschaft eine offensichtlich unzureichende menschliche
und medizinische Versorgung zuteil werden? Weil wir weder die Pfleger
noch ihre betagten Patienten wertschätzen? Weil sie sich nicht mehr
wehren können?
Etwa 800 000 Menschen leben hierzulande
derzeit in Altenheimen; die Zahl steigt. Berlin hat mit einigen
Gesetzesänderungen den richtigen Weg eingeschlagen. Aber das reicht
nicht. Es wird Zeit, den Stellenwert der Einrichtungen anzupassen.
Das kostet Geld.
Übrigens: Wir reden ja auch über uns. Die
Alten von morgen sind wir. Aber morgen können wir uns vielleicht
nicht mehr beschweren.
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Westfalenpost
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Datum: 11.11.2015 - 20:50 Uhr
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