Lausitzer Rundschau: Ein Papier für die Welt - Zur Einigung des Pariser Gipfels auf einen Klimavertrag
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Erfolg. Aber der wirkliche Glaubwürdigkeitstest kommt noch - bei der
Umsetzung des Vertrages. Ein riesiger Fortschritt liegt darin, dass
die menschengemachte Ursache des Klimawandels außer von einigen
Sekten und den US-Republikanern von niemandem mehr geleugnet wird.
Dass sich 195 Staaten gemeinsam dem Ziel verpflichten, die
Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5
Grad, ist ein historisches Versprechen. Unsere Urenkel werden
dereinst daran erinnern - bewundernd oder anklagend. Ebenfalls ein
großer Fortschritt ist es, dass der alte Gegensatz von Industrie- und
Entwicklungsländern nicht mehr jede Verständigung blockiert. Weil die
alten Industrieländer für die Folgen des von ihnen bereits
angerichteten Schadens endlich einstehen. Der versprochene Fonds für
den Energieumbau und Anpassungsstrategien in den Entwicklungsländern
kann noch eine große Wirkung entfalten. Allerdings nur, und hier
beginnt das große Aber, wenn alle 195 Staaten den Abschied von der
fossilen Energie wirklich wollen. Daran aber muss gezweifelt werden.
Sicher, die Insel- und Meeresregionen, auch die von Trockenheit
bedrohten Staaten, würden lieber heute als morgen auf null Emissionen
gehen. Und die modern denkenden Industriestaaten wie Deutschland
möchten gern auf Ökotechnik umschalten, schon weil das für sie neue,
lukrative Geschäftsfelder sind. Zusammen bilden sie die Gruppe der
"Ambitionierten", ein Name hinter dem freilich mancher Selbstbetrug
steckt. Man denke nur an die deutsche Kohlepolitik und
Automobilindustrie. Ein anderer Teil der Staaten aber will im
Gegensatz dazu in Wirklichkeit noch sämtliches Öl und alle Kohle aus
seinen Böden fördern. Er lebt davon. Und ein weiterer will diese
fossile Billigenergie weiter nutzen. Er braucht Wachstum um jeden
Preis. Paris ist der Versuch, diese fundamental gegensätzlichen
Interessen durch gemeinsame Vereinbarungen zu überwinden, sich quasi
selbst auszutricksen. Überprüfung alle fünf Jahre, immer ehrgeizigere
Ziele, nicht schwächere, das ist ein guter Mechanismus. Aber, hier
liegt der Haken, kein Staat muss dabei bleiben, wenn es ernst und
schwierig wird. Jede neue Mehrheit irgendwo in einem Parlament kann
sich vom Pariser Klimavertrag wieder verabschieden, jeder Diktator
erst recht. Man kann Staaten letztlich nicht zwingen, die Vernunft
muss schon von selbst kommen. Aber man kann ab jetzt immer auf diesen
Vertrag hinweisen, man kann die Sünder des Wortbruchs anklagen, vor
der Welt und vor ihren eigenen Öffentlichkeiten. Der Pariser
Klimavertrag ist nur ein Stück Papier, mehr nicht. Aber die Welt hat
kein anderes.
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Datum: 13.12.2015 - 19:25 Uhr
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