Westfalenpost: Monika Willer zur Situation des Lateinunterrichts: Hauptsache nützlich
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im besten Fall darum, Verstand, Seele und Herz gleichermaßen zu
fordern und Kritikfähigkeit zu trainieren, so muss Bildung heute
messbar nützlich sein. Die Eltern wollen Erfolg, und die Arbeitgeber
wollen funktionierende Mitarbeiter. Poesie und Literatur, Musik,
allzu viel Geschichte und auch Latein kommen unter
Rechtfertigungsdruck. Wofür braucht man das noch? So lautet die
Gretchenfrage des modernen Bildungssystems. Im Hintergrund lauert der
Generalverdacht, Fächer wie Latein dienten als Instrument, um die
Teilhabe zu begrenzen. Dabei wird gerne vergessen, was eigentlich das
Ziel des Lernens ist. Das besteht darin zu lernen, wie man lernt. Und
dann zu lernen, wie man denkt. Wer das begriffen hat, wird es ein
Leben lang in unterschiedlichsten Situationen anwenden können.
Befremdlich ist zudem ein Denkfehler in der Reform der
Lehrerausbildung, bei der Lateinkenntnisse künftig verzichtbar sind.
Hier streut sich die Politik selbst Sand in die Augen, wenn sie
annimmt, eine Sprache sei ohne ihren historisch-kulturellen
Hintergrund zu erfassen. Bei Französisch, Italienisch und Spanisch
kommt man um die Römer nicht herum. Bei Englisch und Deutsch übrigens
auch nicht.
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Datum: 08.01.2016 - 22:36 Uhr
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