Neue Westfälische (Bielefeld): Enorme Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein
Ungeübte Revolverhelden
Melanie Wigger
ID: 1318892
und fit ist, kann ihn bekommen: den Kleinen Waffenschein. Und damit
darf zumindest theoretisch ein großer Teil der Bevölkerung
Revolverheld spielen - wenn auch nur mit Gas- oder
Schreckschusspistole. Von diesem Recht machen seit Jahresbeginn
gravierend mehr Ostwestfalen Gebrauch, offenbar aus einem Gefühl der
Bedrohung heraus. In der Region laufen Hunderte von Anträgen bei den
Behörden ein. Erschreckend, denn die vermeintliche Sicherheit trügt.
Selbst harmlos wirkende Abwehrsprays für die Jackentasche können
gefährlich werden: Es muss nur der Wind aus der falschen Richtung
wehen und schon setzt sich das Opfer selbst außer Gefecht. Sogar
Profis wie Polizisten haben das jüngst am eigenen Leib erfahren, als
sie Pfefferspray bei Tumulten nach einem Bundesligaspiel einsetzen.
Ergebnis: 21 Einsatzkräfte verletzten sich damit selbst. Neben den
unzähligen Sprays in ungeübten Händen kommen nun nach den Angaben
eines Bielefelder Waffenhändlers vermehrt Gas-pistolen hinzu. Keine
tödlichen Waffen, der falsche Gebrauch kann aber das Augenlicht
kosten. Die Polizei informiert so gut sie kann - doch die Meinungen
der Antragsteller sind in der Regel längst gefestigt, sagt der
Gütersloher Leiter der Waffenbehörde. Ein Anstieg der Waffenscheine,
mehr Waffenverkäufe und im nächsten Schritt: tragische Unfälle. Den
Waffenkäufern geht es um Sicherheit, aber das Gegenteil ist der Fall:
Ungeübte Revolverhelden werden zur unberechenbaren Gefahr.
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Datum: 09.02.2016 - 19:55 Uhr
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