Südwest Presse: KOMMENTAR · POLEN
ID: 1320486
So lange ließ noch kein polnischer Ministerpräsident auf sich
warten. Drei Monate brauchte Beata Szydlo, um zum Antrittsbesuch nach
Berlin zu kommen. Die rechts-konservative Politikerin setzt damit ein
Zeichen: Polen sucht die Distanz zum großen Nachbarn Deutschland,
nicht die Annäherung. Darüber können auch die gestern ausgetauschten
Freundlichkeiten nicht hinwegtäuschen. Mit dem Amtsantritt der neuen
Regierung hat auch im bilateralen Verhältnis eine neue Zeit begonnen.
In auffallendem Maße kehren alte Stereotypen zurück: Deutschland wird
als Bedrohung empfunden - durch seine Stärke in der EU, seine mit
Argwohn betrachtete Sprachfähigkeit mit Russland, die Alleingänge in
der EU-Flüchtlingspolitik, die Polen unter keinen Umständen mittragen
will. Auch manch klares Wort deutscher Politiker zur umstrittenen
Justiz- und Medienreform in Polen hat Warschau verschnupft. So
demonstriert man an der Weichsel Abgrenzung und rückt näher an den
EU-Außenseiter Ungarn, der mit seinem nationalistischen Kurs der
neuen polnischen Regierung näher ist. Der Temperatursturz ist
gegenwärtig zum Glück nur auf die politische Ebene konzentriert. Der
Alltag der Menschen ist davon unberührt. Seit dem Abschluss des
deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages vor 25 Jahren sind an der
Basis viele herausragende Projekte entstanden. Sie erweisen sich
krisenfest - im Gegensatz zur Politik.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 12.02.2016 - 19:31 Uhr
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