Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Paderborner Urteil
Angemessene Milde
CARSTEN HEIL
ID: 1324739
44 bei Paderborn, als mitten in der Nacht ein Lkw auf ihr gut
beleuchtetes Dienstfahrzeug prallte. Im Dienst der Sicherheit und für
das Leben anderer Verkehrsteilnehmer haben sie ihr Leben verloren.
Der Lkw-Fahrer hat einen schrecklichen Fehler gemacht. Er saß zu
lange am Steuer und hatte am Vortag Schmerzmittel eingenommen. Diesen
Fall hatte das Landgericht Paderborn zu verhandeln. Es verurteilte
den Lkw-Fahrer zwar wegen fahrlässiger Tötung, bestrafte ihn aber mit
zwei Jahren auf Bewährung milde. Das ganz normale Leben mündet
plötzlich in absoluten Wahnsinn, in Trauer und Schmerz, in
Hilflosigkeit und Wut. Jeder Verkehrsteilnehmer, besonders ein
Autofahrer, kann von einer Sekunde auf die nächste zum Täter werden.
Und jeder verantwortungsbewusste Fahrer denkt auch immer wieder an
diesen Schrecken, bevor er die Fahrt antritt. Das milde Urteil ist
angemessen. Der Lkw-Fahrer ist gestraft genug, er hat um
Entschuldigung gebeten, hat seinen Fehler eingestanden. Er wird sein
Lebtag darunter leiden, zumal er sich als Familienvater besonders
vorstellen kann, was der Verlust eines geliebten Menschen bedeutet.
Er ist kein rücksichtsloser Raser. Eine härtere Strafe nützte in
diesem Fall niemandem. Den Opfern und ihren Angehörigen, denen alles
Mitgefühl gilt, nicht und auch nicht dem Staat. Haft würde eventuell
noch eine weitere Familie zerstören. Es geht weder um Genugtuung noch
um Besserung oder Einsicht in falsches Verhalten. Es bleibt nur
Trauer.
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Datum: 23.02.2016 - 21:00 Uhr
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