Mittelbayerische Zeitung: Wohin steuert BMW? Im Jubiläumsjahr steht der weiß-blaue Konzern vor der

Mittelbayerische Zeitung: Wohin steuert BMW? Im Jubiläumsjahr steht der weiß-blaue Konzern vor der wichtigsten Weichenstellung der Geschichte. Von Christine Hochreiter

ID: 1329726
(ots) - Heute wird erst einmal gefeiert: eine
Firmenhistorie, die trotz strategischer Fehler und Krisen von Erfolg
gekrönt ist, eine starke Automarke und die Tatsache, dass
BMW-Beschäftigte besonders stolz darauf sind, gerade bei diesem
Unternehmen zu arbeiten. Heute wird vor allem im Mittelpunkt stehen,
was den weiß-blauen Autobauer auszeichnet - das, was war, und das,
was ist, sowie die Freude am Fahren, die Jahrzehnte überdauert hat.
Wie es weitergeht, soll erst ein wenig später Thema sein: am 16.
März, wenn Vorstandschef Harald Krüger bei der Bilanzpressekonferenz
in München die Strategie präsentiert, mit der er BMW in die Zukunft
steuern möchte. Dass die Branche vor einem tiefgreifenden Wandel -
wenn nicht gar vor einer Revolution - steht, war bereits seinem
Vorgänger Norbert Reithofer bewusst. Dieser hat bei BMW die
Karbon-Ära eingeleitet. Der Elektroflitzer i3 bedeutete den Start in
eine neue Welt. Während Wettbewerber auf Elektroautos setzten, bei
denen nur der Verbrennungsmotor durch Batterien ersetzt wird, haben
die Münchner ein völlig neues Fahrzeug konstruiert. Karbon ist der
leichteste Stoff, der sich im Karosseriebau ohne Sicherheitseinbußen
einsetzen lässt. Wenn es nach BMW geht, soll er die Branche
grundlegend verändern. Denn je leichter Elektrofahrzeuge sind, desto
kleiner können Akkus werden, ohne dass die Reichweite schrumpft.
Bislang wurden die Erwartungen aber nicht erfüllt. Mit Blick auf die
Kosten lässt schließlich auch die allgemeine Begeisterung für
Elektroautos zu wünschen übrig. Für BMW ist das allerdings nicht mit
einer Abkehr von der Karbon-Strategie verbunden. Nur weil sich das
Kundenverhalten vielleicht zu langsam anpasse, dürfe man das - im
übrigen milliardenschwere - Projekt i an sich nicht in Frage stellen,
sagte Reithofer einmal. Im Wettbewerb der Autokonzerne geht es


allerdings schon lange nicht mehr nur um die Art der Motorisierung.
Vor allem die Digitalisierung und der Trend zum autonomen Fahren
machen neue Antworten erforderlich. Autos entwickeln sich zu
fahrenden Computern, und die Hersteller müssen ordentlich Gas geben
und ihre Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen. Dabei ist die Frage
zu klären, wie die Menschen Autos in Zukunft nutzen. Wollen Sie es
nobel und luxuriös? Wünschen Sie sich, dass möglichst alles an Bord
ist, was Hightech kann? Wie sieht es mit (teil-)autonomem Fahren aus?
Gibt es viele Leute, die die Autos ausschließlich im Stadtverkehr
fahren? Die Bedürfnisse der Verbraucher werden je nach Region,
Geschlecht, Alter und individuellen Präferenzen anders ausfallen.
Fakt ist: Immer weniger - vor allem jüngere - Menschen wollen sich
ein eigenes Auto kaufen. Sie teilen sich gegebenenfalls ein Fahrzeug
lieber mit anderen. Dieser Trend hat einschneidende Konsequenzen -
auch für den 100 Jahre alten Autohersteller BMW. Er bedeutet, dass
die Münchner nicht mehr "nur" Autos bauen können. Gefragt sind
nunmehr auch intelligente Mobilitätskonzepte "made in Bavaria".
BMW-Chef Krüger muss dafür sorgen, dass der Autohersteller seine
Erfolgsgeschichte weiterschreiben kann - zunächst wohl einmal auf
Sicht von einer Dekade. Den engen Kontakt zur IT- und
Elektronikbranche sucht er schon lange. Es ist ihm bewusst, dass es
fatal sein kann, wenn man wichtige technologische Entwicklungen
verschläft. Mit Blick auf die neue Konkurrenz von Google, Apple und
Co. will der Konzernlenker noch in diesem Jahr rund 500 IT-Experten
einstellen. An den ostbayerischen Standorten Regensburg, Wackersdorf,
Landshut und Dingolfing sind allein 32 000 Menschen direkt bei BMW
beschäftigt. Von den vielen Jobs bei Zulieferern erst gar nicht zu
reden. Es ist also auch von größter Bedeutung für die Region, dass
der weiß-blaue Konzern die Kurve in die Zukunft bekommt.



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Datum: 06.03.2016 - 22:58 Uhr
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