Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Weltfrauentag
ID: 1330247
viele Männer in deutschen Führungsetagen? Diskutieren über
Müttersterblichkeit in armen Ländern? Aufregen über den Machismo
sowohl in Kubas Politbüro wie im Vatikan? Oder die eigene Frau nicht
länger auffordern, sie möge bitteschön die Pantoffeln holen? Von
freiwilliger Selbstkritik selbstherrlicher Kerle und kuschender
Frauen bis zur Weltrevolution für Gerechtigkeit und Gleichheit ist
jede Freiheitsidee recht an diesem 8. März. Die deutsche Sozialistin
Clara Zetkin hat den Weltfrauentag 1910 mit ins Leben gerufen. Ihr
Auftrag ist bis heute nicht erfüllt. Weder in Deutschland, wo es
zugegebenermaßen Fortschritte gegeben hat, noch im Rest der Welt, wo
mancherorts Frauen bis heute nichts als Sklavinnen sind. Was also tun
im saturierten Wohlstandswesten, der sich angesichts anhaltender
Unterdrückung anderswo damit zufrieden geben könnte, man sei
schließlich auf dem richtigen Weg? Unser Rat: Machen Sie sich einen
schönen Abend mit Partner oder Partnerin und gehen Sie ins Kino. Dort
läuft derzeit das Doku-Drama »Suffragetten - Taten statt Worte«. Der
schmerzvolle Kampf britischer und US-amerikanischer Frauen für das
Recht wählen zu dürfen, ist fast vergessen. Dabei ist das
Frauenwahlrecht hierzulande nicht einmal 100 Jahre alt. Tun wir also
nicht so, als wären wir viel fortschrittlicher als andere. Auch in
Europa und den USA musste jeder kleine Erfolg mühsam erkämpft werden.
Die Details machen den Unterschied. Selbst wer einwirft, 1918 hätten
die kämpferischen Arbeiterinnen in London ihr Ziel erreicht, der
irrt. Tatsächlich durften zunächst nur Frauen ab 30 Jahren mit
Grundbesitz zur Wahlurne gehen. Was lehrt also ein auf Unterhaltung
und Amüsement ausgelegter Kinoabend? Geben wir uns nicht zufrieden
mit dem Status quo. Es gibt noch verdammt viel zu tun. Taten statt
Worte eben. Forderungen an andere, an Arbeitgeber, an Kirchenmänner
oder Pantoffelhelden sind zu einfach. Nachdenken, Solidarität, vor
allem aber persönliches Engagement sind angesagt zugunsten beinahe
der halben Menschheit. Noch immer sterben täglich 800 Mütter, nur
weil sie ein Kind bekommen. Die allermeisten davon leben südlich der
Sahara. Und beileibe nicht nur im Herrschaftsgebiet des
Steinzeit-Islam werden Frauen durch Feld-, Küchen- und Familienarbeit
vernichtet, während sich die Männer aus dem Staube machen. Das böse,
aber aus eigener Beobachtung nicht selten zutreffende Wort vom
Versagen des schwarzen Mannes gilt nicht nur in Afrika. Außerdem:
Sexismus in seiner widerlichsten Form gibt es auch in Deutschland und
nicht nur in der Silvernacht. Wir sind gefordert - jeden Tag.
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Andreas Kolesch
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Datum: 07.03.2016 - 21:00 Uhr
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