Neue Studie untersucht Risiken von AKWs und Zwischenlagern in Deutschland. Atomausstieg muss vorgezogen werden
ID: 1330394
Fukushima hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
eine Beschleunigung des Atomausstiegs gefordert. In einer heute in
Berlin veröffentlichten Studie mit dem Titel "Atomkraft 2016 -
sicher, sauber, alles im Griff?" untersucht die unabhängige
Atomexpertin Oda Becker die Risiken, die von Atomkraftwerken und
Zwischenlagern in Deutschland ausgehen. Becker konnte mangelhafte
Schutzstandards, Hochwasser-, Erdbeben- und Terrorgefahren sowie
altersbedingte Ausfälle der Sicherheitssysteme nachweisen.
"Nach dem Atom-Gau in Fukushima vor fünf Jahren erkannte endlich
auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die Atomenergie ein Irrweg
ist. Mit der Stilllegung von inzwischen neun Atomreaktoren ist ein
erster Schritt getan. Der Weiterbetrieb von acht Reaktoren in
Gundremmingen, Philippsburg, Grohnde, Emsland, Isar, Brokdorf und
Neckarwestheim birgt jedoch nach wie vor enorme Risiken. Auch in
Deutschland ist jederzeit ein größerer Störfall oder ein Super-Gau
möglich. Diese Risiken sind der Bevölkerung nicht länger zumutbar,
genauso wie die Risiken altersschwacher Atommeiler in unseren
Nachbarländern", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.
"Anstatt mit milliardenschweren Klagen gegen die Bundesregierung
vorzugehen, weil nach Fukushima Atomkraftwerke abgeschaltet wurden,
müssen sich die Energiekonzerne schneller als vorgesehen von dieser
Risikotechnologie verabschieden", forderte Weiger.
Die Physikerin Oda Becker sagte: "In jedem deutschen Atomkraftwerk
ist ein schwerer Unfall möglich. Das wird inzwischen auch von den
Behörden so gesehen, dafür erforderliche umfangreiche
Katastrophenschutzpläne sind aber nicht vorhanden. Auslöser eines
schweren Unfalls kann ein Erdbeben wie im Fall von Fukushima oder
einen Terroranschlag sein. Eigentlich dringend nötige Nachrüstungen
und Sicherheitsüberprüfungen werden mit Blick auf die verbleibenden
Restlaufzeiten jedoch nicht mehr durchgeführt. Wir brauchen endlich
einen Paradigmenwechsel: Weg vom Schutz der AKW-Betreiber hin zum
Schutz der Bevölkerung."
Selbst wenn sämtliche Atomkraftwerke schließlich abgeschaltet
seien, endeten die Risiken der Atomkraft in Deutschland noch lange
nicht, sagte Becker. Der hochradioaktive Atommüll müsse dann für
weitere Jahrzehnte in oberirdischen Zwischenlagern verbleiben, die
leider nur unzureichend geschützt seien. Becker: "Die Zwischenlager
weisen einen mangelhaften Schutz gegen Flugzeugabstürze und
Terrorgefahren auf. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen
zurzeit begrenzte Nachrüstungen. Wenn neben den Lagern schließlich
die Atomkraftwerke rückgebaut werden, fehlt außerdem die Möglichkeit
zur Reparatur von Castor-Behältern. Das ist inakzeptabel, weil
voraussichtlich noch sehr lange Zwischenlagerzeiträume notwendig
sind. Es muss jetzt diskutiert werden, wie die Zwischenlagerung
weitergehen soll, welche Nachrüstungen erforderlich sind und auch ob
eventuell Neubauten die alten Lager ersetzen müssen."
Die Studie mit dem Titel "Atomkraft 2016 - sicher, sauber, alles
im Griff?" finden Sie im Internet unter:
www.bund.net/pdf/risikostudie_akws
Pressekontakt:
Thorben Becker, BUND-Energieexperte, Tel. 0173-6071603, E-Mail:
thorben.becker@bund.net bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher,
Tel. 030-27586-425/-464, E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net
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Datum: 08.03.2016 - 10:03 Uhr
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