Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Terror in Brüssel
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des Terrors, die verstummen lässt. Brüssel wurde bis ins Mark
getroffen, die Toten und Verletzten sind Opfer einer perversen
Ideologie, in der Gewalt als Mittel der Politik und der persönlichen
Rache immer noch einen Platz zu haben scheint. Doch auch die
EU-Metropole wird wieder aufstehen - wie Paris, Madrid, London und
Istanbul zuvor. Aus dem Schmerz wird neuer Lebenswille wachsen. Aber
auch Wut - nicht nur auf die Attentäter, sondern auch auf die, die
diesen Massenmord nicht verhinderten. Denn wenn die Rituale der
Betroffenheit abgespult sind, wenn alle Beileidstelegramme verklungen
und wenn alle Solidaritätsadressen verlesen worden sind, werden die
Menschen in dieser Stadt fragen: warum? Und sie werden sich dabei an
jene wenden, die Verantwortung tragen, die Beschlüsse zu engerer
europäischer Zusammenarbeit zwar schmieden, aber nicht umsetzen und
zu Hause die Gärtchen ihrer nationalen Geheimdienste pflegen. Denn zu
den ewigen Wiederholungen solcher Gewaltakte gehört auch diese
Wahrheit: Es hat immer jemand zumindest Indizien gehabt oder sogar
Konkretes gewusst. Aber der Austausch, die Weitergabe von
Informationen unterblieb. Die Anschläge von Brüssel haben Europa
nicht nur getroffen, sondern auch entlarvt. Wenn die Attentate auf
Paris, London, Madrid und New York sowie Washington etwas gezeigt
haben, dann war es die bittere Erkenntnis, dass nicht zu wenig
Informationen vorlagen, die man nun durch immer neue
Fahndungsmethoden erweitern müsste. In allen Fällen wurde das
vorhandene Wissen nicht so genutzt, dass eine Verhinderung des
Blutbades möglich war. Die jedes Mal sich wiederholenden
Krisentreffen zuständiger Minister oder Staats- und Regierungschefs
in Brüssel brachten nicht mehr als das Versprechen, enger
zusammenzuarbeiten. Doch schon als die Vertreter der Mitgliedstaaten
wieder zu Hause landeten, waren die hehren Zusagen vergessen. Das
darf nicht so bleiben. Die Toten und Verletzten, aber auch die
Hinterbliebenen von Brüssel müssen die letzten sein, die der Ignoranz
nationaler Sicherheitsbehörden zum Opfer fallen. Natürlich gibt es
auch Erfolgsmeldungen von verhinderten Anschlägen, von enttarnten
Attentätern, von gestoppten Terroristen. Aber sie reichen bei weitem
nicht aus, solange Extremisten auch weiter eine ganze Millionenstadt
zum Kriegsschauplatz machen können, wie das gestern in Brüssel der
Fall war. Der Satz von der 100-prozentigen Sicherheit, die es nicht
gibt, ist erschreckend banal. Dennoch darf er nicht als Begründung
für Defizite und Fehler herhalten. Spätestens jetzt, wo die
Terroristen das Herz der Europäischen Union getroffen haben, muss
jeder Verantwortliche aufwachen und begreifen, dass diese Union
zusammenrücken muss. Denn in Brüssel wurde nicht nur die Stadt
angegriffen, sondern alle. Die Stadt und ihre Menschen brauchen
endlich jene Entschlossenheit, die bisher nicht aufgebracht wurde.
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Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
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Datum: 22.03.2016 - 21:30 Uhr
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