Mitteldeutsche Zeitung: zu Böhmermann
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Komiker erst angeklagt und schließlich freigesprochen würde. Dann
hätte sowohl die Bundesregierung verloren - denn sie hätte vor
Erdogan "gekuscht" - als auch der türkische Präsident, den dann alle
Welt als "Ziegenficker" schmähen könnte. Tatsächlich wäre ein
Freispruch Böhmermanns nicht unwahrscheinlich. Die Verteidigung
Böhmermanns hat allerdings - nicht im juristischen, aber im
moralischen Sinn - ein kleines Problem. Sein Schmähgedicht, das sich
hemmungslos antimuslimischer Ressentiments bedient, zielt
tatsächlich nicht auf Erdogan und nicht, wie einige Kritiker
beklagen, auf die Türken, sondern vor allem auf die öffentliche
Aufmerksamkeit. Es geht nicht um Kritik an Erdogan, sondern um die
möglichst pompöse mediale Inszenierung als Kritik. Böhmermann hat
Witz, aber sein Witz hat keine Substanz. Er richtet seinen Blick
nicht auf die repressive Politik des türkischen Staatspräsidenten, er
schielt nur auf die Reaktion der Medien. Über die kann er sich
derzeit ganz und gar nicht beklagen.
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Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
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Datum: 11.04.2016 - 19:00 Uhr
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