"Vielfalt ist schöner als Einheitsbrei!"
In Rom würdigten evangelische und katholische Theologen
den Wert der Reformation
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haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer internationalen
interkonfessionellen Tagung in Rom bekräftigt, die am heutigen
Freitag zuende geht. "Die Konferenz ist ein wichtiges Signal für das
konstruktive Zusammenwirken evangelischer und katholischer Christen",
sagte Irmgard Schwaetzer, die Präses der EKD-Synode. Ein Grußwort des
Papstes Franziskus habe den hohen Stellenwert des ökumenischen
Reformationsgedenkens unterstrichen, den die römisch-katholische
Kirche dem Jubiläum gebe. In einem Schreiben des Staatssekretärs
Pietro Kardinal Parolin verlieh der Papst seiner Hoffnung Ausdruck,
"dass die Früchte der gemeinsamen Überlegungen auf dem gemeinsamen
Weg zur Wiederherstellung der Einheit aller Christen helfen mögen."
"Zeichen der Vergebung - Wege der Umkehr - Praxis der Buße. Eine
Reform, die alle angeht": Unter diesem Motto wurden drei Tage lang
ökumenische Aspekte der Reformation beleuchtet. Veranstalter der
Tagung waren die päpstliche Universität Sant'Anselmo und die
Evangelische Kirche in Deutschland; unterstützt wurde das Treffen
unter anderem von der theologischen Fakultät der Waldenser, der
Lutherischen Kirche Roms und der Deutschen Botschaft am Heiligen
Stuhl. Nach Ansicht der Botschafterin Annette Schavan zeige die
Ökumene, "dass das Christentum für Tendenzen der Re-Nationalisierung
in Europa und auch im Blick auf die Abschottung von Flüchtlingen
untauglich ist". Es sei wichtig, "theologische Klärungen
voranzubringen und den Weg zur Einheit konsequent und sensibel zu
gehen - überzeugt davon, dass Martin Luther uns auf diesem Weg
wohlwollend begleitet."
"Vielfalt ist schöner als Einheitsbrei", begrüßte Abtprimas Notker
Wolf die Tagungsgäste. In ihrer Eröffnungsrede betonte
EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann: "Uns verbindet mehr als
uns trennt!" Dafür gebe es viele ermutigende Zeichen und ökumenische
Pläne für das Reformationsjubiläum. "In einer säkularisierten
Gesellschaft ist ein gemeinsames Zeugnis der Christinnen und Christen
von großem Gewicht", warb Käßmann das Gedenkjahr 2017.
Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussion stand die
Überzeugung, dass die Reformation auch die römisch-katholische Kirche
in guter Weise verändert habe. "Die Unterschiede zwischen den
Konfessionen bleiben ein großer Reichtum", sagte der katholische
Theologe Andreas Grillo (Rom). Der Tübinger Theologe Volker Leppin
betonte, dass Martin Luther mit seinen 95 Thesen über die Buße viele
Erkenntnisse der damaligen Theologie aufnahm. Im Zuge des
Reformationsjubiläums sind für das kommende Jahr Gottesdienste unter
dem Motto "Healing of Memories" geplant, bei denen die beiden großen
Kirchen Schritte der Buße und Versöhnung gehen.
Zum Abschluss der Tagung formulierte Kurt Kardinal Koch, Präsident
des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, dass
Dankbarkeit, Umkehr und Hoffnung auf wachsende Gemeinschaft auch für
katholische Christen ein neues Licht auf die Reformation werfen
können.
Für die EKD nahmen an der Tagung in Rom die Synodenpräses Irmgard
Schwaetzer, die Ratsmitglieder Elisabeth Gräb-Schmidt und Marlehn
Thieme, Reformationsbotschafterin Margot Käßmann, die
Theologieprofessoren Jörg Lauster, Volker Leppin und Christoph
Markschies sowie Vizepräsident Thies Gundlach teil.
Hannover, 6. Mai 2016
Pressestelle der EKD
Carsten Splitt
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Datum: 06.05.2016 - 13:49 Uhr
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