Rheinische Post: Kommentar /
Erhitzte Briten
= Von Martin Kessler
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Vernunft. Abwägend, ausgleichend, pragmatisch, nutzenorientiert,
freiheitsliebend und konsequent. Das war einmal. Die Debatte über den
Austritt aus der Europäischen Union (EU) gerät zur Schlammschlacht,
in der es ausschließlich um Emotionen und Karrieren geht. Not very
British. Dass die EU nun nichts, aber auch gar nichts mit dem
Eroberungswahn Hitlers zu tun hat, dürfte jedem Briten klar sein. Der
frühere Londoner Bürgermeister und Brexit-Fan Boris Johnson spielt
aber - gern auch gegen die Deutschen - genau mit diesen
Ressentiments. Denn mit ihnen lässt sich in Großbritannien noch immer
wunderbar Stimmung machen. Die Schuldenkrise und der Streit um die
Aufnahme der Flüchtlinge haben den Kontinent tief gespalten. Wenn
jetzt Großbritannien die EU verlässt, kommt es zu einer neuen
Zerreißprobe. Das ist das eigentliche Drama des Brexit, nicht ob die
Unternehmen ein paar Pfund mehr oder weniger verdienen. Doch über den
Nutzen eines friedlichen Europa nachzudenken, das fällt den meisten
Briten offenbar schwer.
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Datum: 16.05.2016 - 20:45 Uhr
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