neues deutschland:Über Winfried Kretschmanns politische Geografie
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Bürgerrechtsfetischismus, eine Flüchtlingspolitik, die mit der
Einzelfallprüfung Schluss macht - und »ganz in die Mitte« statt
»linke Mitte«: Nach seinem Triumph im Südwesten dreht Winfried
Kretschmann auf. Wie so lange Joschka Fischer gibt er jetzt den
heimlichen grünen König. Er spricht vom »Führen« einer Partei, in der
er im Bund gar kein Führungsamt innehat. Spitzengrünen wird sein
jüngstes Interview zu denken geben vor der Bundestagswahl 2017.
Einerseits beschreibt Kretschmann Realitäten der Parteienlandschaft.
Längst sind die Grünen »Mitte«, mit jedem außer der AfD
koalitionsfähig. Dass ein grünes Stadtbürgertum die passende
Ergänzung zu traditionelleren bürgerlichen Milieus darstellen kann,
ist auch keine neue Erkenntnis. Andererseits aber unterliegt er einer
politgeografischen Täuschung, wenn er - um nicht »Volkspartei« zu
sagen - seinen eigenen Erfolg zum Modellexempel einer
»Orientierungspartei« stilisiert. Denn das Ländle ist nicht überall.
Dort ist über viele Jahre ein spezifisches Milieu entstanden, das
grün als clevere Effizienz und Sparsamkeit buchstabiert. Doch muss
man nicht bis Kreuzberg reisen, um andere grüne »Markenkerne« zu
finden. Überreizen die Grünen jetzt das »Mitte«-Blatt, drohen sie
sich aus eben dieser wieder herauszumanövrieren.
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Datum: 22.05.2016 - 18:29 Uhr
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