Mitteldeutsche Zeitung: zu Brexit und Populismus
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ein weiteres Mal die Stunde der Nationalisten geschlagen. Zum ersten
Mal haben sie es jetzt geschafft, ein Land aus der EU herauszulösen.
Das kann Angst machen! Der Nationalismus ist in ganz Europa auf dem
Vormarsch, nicht nur in Großbritannien, sondern genauso in den
Niederlanden, in Polen, in Russland, in Österreich und in
Deutschland. Den Menschen wird suggeriert, mit dem Besinnen auf die
nationale Stärke könnten Probleme wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot
und sozialer Abstieg gelöst werden. Das streichelt die nationale
Seele, ist aber gleichzeitig so absurd in einer Welt wo Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft global miteinander verflochten sind.
Nationale Lösungen funktionieren heute nicht mehr. Ausgrenzung wird
von Parteien wieder zur politischen Leitlinie erhoben. Nationalisten
schieben die Schuld an der Misere im eigenen Land immer den Anderen
zu. Mal sind es Flüchtlinge, mal die Europäische Union oder auch das
Nachbarland. Mit dem Internet lässt sich diese Propaganda - samt
Lügen und Halbwahrheiten - in Windeseile verbreiten, Massen können
mobilisiert und Gewalttaten provoziert werden. Ja, das muss Angst
machen! In Mittel- und Westeuropa haben die Menschen in den
vergangenen 70 Jahren friedlich miteinander gelebt. Die Europäische
Union hat daran einen großen Anteil. Das wird derzeit viel zu gering
geschätzt. Diejenigen, die immer nur darüber sinnieren, welchen
ökonomischen Nutzen oder Nicht-Nutzen die Gemeinschaft gebracht hat,
vergessen diesen wichtigen Wert. Die EU ist eine Gemeinschaft der
Menschen, eine Wirtschafts-, Bildungs-, Finanz- und Kultur-Union,
aber genauso eine Friedensunion. Und das steht tatsächlich auf dem
Spiel.
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Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
Telefon: 0345 565 4200
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Datum: 24.06.2016 - 16:38 Uhr
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