Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar:
Prognose zu Kassenbeiträgen
Endlich ansetzen
Martin Fröhlich
ID: 1390395
Zusatzbeiträge in der Gesetzlichen Krankenversicherung, doch sie ist
entscheidend: Wie stark steigen die Extrabelastungen für Arbeitnehmer
in den nächsten Jahren? Gibt es tatsächlich einen Konkurrenzkampf der
Kassen, der den Zusatzbeitrag niedrig hält? Das hofften die
Optimisten. Das nannten die Politiker als Grund für die Neuregelung
der Finanzierung. Allein - es kam anders. Kaum eine Kasse drückte den
Zusatzbeitrag nach unten, um der Konkurrenz Kunden abzuwerben. Die
meisten pendelten sich zwischen 0,7 und 1,1 Prozent ein. Tendenz
steigend. Wenn man sich die Zahlen der Krankenkassen anschaut, dann
scheint in der Tat kaum Luft für Beitragssenkungen da zu sein. Die
Kosten fürs Gesundheitswesen steigen und steigen. Galten lange die
Arzneimittelpreise als Hauptproblem, sind inzwischen auch
Ärztehonorare (die nach langer Flaute angepasst werden mussten) und
Krankenhauskosten durch die Qualitätssicherung per Gesetz weitere
Kostentreiber geworden. Nun kehrt die Politik zur Idee der
paritätischen Finanzierung durch Arbeitnehmer und -geber zurück, um
die Belastung für die Versicherten zu mindern. Ein Vorschlag, der
erwogen werden sollte, da ja das Prinzip "Konkurrenzkampf senkt
Kosten" fehlgeschlagen ist. Wichtiger aber bleibt die Frage, wie
künftig eine demografisch veränderte Gesellschaft mit hohen
medizinischen Ansprüchen, teuren Medikamenten, kostspieliger
Hightechmedizin und Ärztemangel mit der Ausgabenfrage umgeht. Nur
wenn hier endlich wirksam angesetzt wird, statt sich für
Strukturgesetze zu feiern, die am Ende nur noch mehr Kosten
verursachen, besteht wieder Hoffnung.
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Datum: 17.08.2016 - 21:30 Uhr
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