Allg. Zeitung Mainz: Unglücklich / Kommentar zu Österreich / Von Reinhard Breidenbach

Allg. Zeitung Mainz: Unglücklich / Kommentar zu Österreich / Von Reinhard Breidenbach

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(ots) - Ab dem 14. Jahrhundert wurde Österreich nachgesagt,
es sei ein glückliches Volk. Vor allem mit Blick auf die
Heiratspolitik der Habsburger galt auch später: "Tu felix Austria
nube" - Kriege mögen andere führen, Du glückliches Österreich,
heirate. Glücklich konnte sich Österreich auch noch schätzen, als im
Mai nicht FPÖ-Mann Norbert Hofer, sondern der Grüne Alexander Van der
Bellen die Präsidentschaftswahl gewann. Aber das Votum wurde, zu
Recht, wegen formaler Fehler für ungültig erklärt. Und seitdem gilt,
was das Wahl-Prozedere angeht, die um Welten banalere
Fußballerweisheit: Zuerst hatten die Österreicher kein Glück, jetzt
kommt auch noch Pech dazu. Auch die Wiederholungswahl muss verschoben
werden. Die Ursache, so verrückt es klingt, ist mangelhafter
Klebstoff. Das ist Wasser auf die Mühlen der FPÖ. Sie wird, wenn
Hofer gewinnt, behaupten: Der wahre Volkswillen hat sich gegen alle
Sabotageversuche durchgesetzt. Verliert Hofer, ist er natürlich einem
Komplott zum Opfer gefallen. Das ist inhaltlich zwar dummes Zeug,
klingt aber für viele faszinierend - mithin ein Spiegelbild der
FPÖ-Politik. Die hat in der Alpenrepublik ganz besonders leichtes
Spiel, weil Wien das negative Musterbeispiel für eine völlig
ausgeleierte, uninspirierte Große Koalition ist. So weit darf es in
Deutschland nie kommen. Derweil versichert sich Hofer des Rückhalts
von Tschechien, Polen und Ungarn für eine radikale
Flüchtlingspolitik. Eine solche bekommt vielerorts viel Beifall -
derzeit. Aber lauten Applaus einzuheimsen, heißt noch nicht im
Entferntesten, deshalb Recht zu haben. Schon gar nicht, wenn der
Applaus aus der falschen Ecke kommt.



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Datum: 12.09.2016 - 19:12 Uhr
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