Schwäbische Zeitung: Leitartikel: Die Zeit wird nicht angehalten
ID: 1399782
der Nachkriegszeit wegen Homosexualität Verurteilten mussten bis zum
Jahr 2016 auf eine Rehabilitation warten, wie sie Justizminister
Heiko Maas (SPD) nun angekündigt hat. Wichtiger als die Verwunderung
über die lange Zeitspanne ist jedoch, dass es überhaupt passiert.
Verbunden mit der Botschaft, wie viel Mühe und Ausdauer es bedarf,
eine offene Gesellschaft zu errichten und wie wichtig es ist, diese
zu verteidigen. Heute ist es kaum vorstellbar, dass der Paragraf 175,
der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, erst
1994 abgeschafft wurde. Und selbst im Jahr 2002 hob der Bundestag
zwar Urteile nach Paragraf 175 aus der NS-Zeit auf, konnte sich aber
nicht durchringen, die Entscheidungen aus der Nachkriegszeit auch zu
kassieren. Der Vorstoß des Justizministers bildet somit den
Schlusspunkt eines harten Kampfes um Gerechtigkeit und
Gleichberechtigung, um ein weltoffenes Miteinander. Eines zähen
Bemühens, wie es auf vielen Feldern stattfand und stattfindet, sei es
im Arbeitsleben, bei der Gleichstellung der Frau oder um den Frieden
in Europa. Nun aber mehren sich Kräfte, die diese Errungenschaften
infrage stellen. Die von einer "Schwulen-Lobby" in Berlin reden und
die Mitbestimmung als Schwäche des Wirtschaftsstandorts
abqualifizieren. Die den mit der NS-Ideologie verknüpften Begriff
"völkisch" wieder salonfähig machen wollen. Und nicht zuletzt wollen
diese Kräfte auch nationale Grenzen wieder hochziehen, das
Miteinander durch ein Gegeneinander ersetzen. All jenen, die mit
Rechtspopulisten sympathisieren, sei die Frage gestellt: Wollt ihr
wirklich nach einem Gesellschaftsbild leben, wie es diese Gestrigen
zeichnen? Wer darauf nur eine zögerliche Antwort findet, dem sei
gesagt: Die hart erarbeiteten Werte einer offenen Gesellschaft sind
nicht verhandelbar. Die Zeit wird nicht angehalten und sie wird schon
gar nicht zurückgedreht. Und das gilt auch für Neuankömmlinge aus
anderen Kulturen, die sich mit Gleichberechtigung und Emanzipation
schwer tun.
Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 13.09.2016 - 22:21 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1399782
Anzahl Zeichen: 2429
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Ravensburg
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 464 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Leitartikel: Die Zeit wird nicht angehalten"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung
Westfalenpost: Die EU und Ungarn: Nervosität in der Krise ...
Menschlich verständlich ist das. Ungarns Regierungschef sabotiert eine gemeinsame Flüchtlingspolitik, fördert Rassismus, unterdrückt die Presse und arbeitet an der Abschaffung einer unabhängigen Justiz. Was will er also in der EU? Raus mit ihm. Dieser Jean Asselborn, der das jetzt verlangt
Westfalenpost: Fahrverboten für Dieselfahrzeugen: Der Gesundheit zu schaden ist verboten ...
Und wieder läutet ein Totenglöckchen für den konventionellen Diesel-Motor: Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat die Landeshauptstadt dazu verdonnert, so schnell wie möglich Fahrverbote für Selbstzünder auszusprechen, die zuviel Stickstoffdioxid ausstoßen. Das Urteil ist eindeutig: Düss
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur sexuellen Gewalt ...
Sexuelle Gewalt ist Alltag. Nachrichten über Übergriffe im familiären Umfeld, bei der Arbeit oder Vergewaltigungen im Zug sind traurigerweise nichts Neues. An Schulen, die Gesellschaften im Kleinen abbilden, ist das nicht anders. Dass nach Schätzungen des Missbrauchsbeauftragten Johannes-Wil
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Asselborns Forderungen ...
Es hilft der EU wenig, wenn die Vertreter der Mitgliedstaaten jetzt ausfällig werden. Natürlich hat der luxemburgische Außenamtschef Jean Asselborn Recht, wenn er der ungarischen Führung vorwirft, sich mit ihrer Abschottungspolitik längst außerhalb des Rahmens zu bewegen, den die Werte-Gem




