Neue Westfälische (Bielefeld): Friedensgespräche für Ukraine
Der Moment ist günstig
Marina Kombarki
ID: 1400870
Überbringer der Frohen Botschaft, sind selten. Gestern war so ein
Tag. Im Osten der Ukraine, wo den Sommer über die Kämpfe zwischen
ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten eskaliert waren,
trat eine Waffenruhe in Kraft. Und für Syrien vereinbarten die USA
und Russland kurz vor Ablauf der 48-stündigen Feuerpause eine
Verlängerung bis zum heutigen Freitag. Das Töten soll kurz Pause
haben in zwei zerrütteten Weltgegenden. Man könnte darüber in Freude
verfallen - wenn nicht die Vergangenheit und der komplexe
Frontverlauf Anlass zu großen Zweifeln böten. Für die Ostukraine
unterzeichneten die Kriegsparteien unter Vermittlung des deutschen
Außenministers bereits vor zwei Jahren in der weißrussischen
Hauptstadt Minsk einen Waffenstillstand. Bloß hat dieser sich als
Farce erwiesen. Nicht selten explodierten Tausende Geschosse in der
Separatistenhochburg Donezk in nur einer Nacht. Zu Syrien: Der von
Russland und den USA ausgehandelte Waffenstillstand ist ausgesprochen
voraussetzungsvoll, er spiegelt die Verworrenheit der Kriegsparteien
am Boden nicht wider. Zudem ist er selbst innerhalb der US-Regierung
stark umstritten. Nüchtern betrachtet ist es also unwahrscheinlich,
dass die vereinbarten Waffenruhen den Frieden bringen - aber
Resignation ist keine Option für Diplomaten. Ihr Geschäft kann
frustrierend sein. Manchmal aber begünstigen äußere Umstände ihre
Bemühungen - so wie jetzt. Es wäre ein großer Triumph für
US-Präsident Barack Obama, kurz vor Ende seiner Amtszeit das Grauen
in Syrien einzudämmen. Und in Russland sind am Sonntag Wahlen. Nicht,
dass Präsident Wladimir Putin etwas zu befürchten hätte. Aber als
Friedensstifter triumphiert es sich besonders schön.
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Datum: 15.09.2016 - 20:35 Uhr
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