Greenpeace-Aktivisten demonstrieren in Stuttgart für bessere Luft
Neuer Messbericht zeigt flächendeckendes Stickoxidproblem
ID: 1408152
Städten demonstrieren Greenpeace-Aktivisten heute an Deutschlands
meist belasteter Straße, dem Stuttgarter Neckartor. An einer Brücke
fordern die Umweltschützer auf einem 16 Meter breiten Banner: "Städte
wollen atmen - schmutzige Diesel raus!" Aktivisten mit Atemmasken
fordern mit Verbotsschildern Fahrbeschränkungen für besonders
schmutzige Dieselautos. Ein neuer Messbericht von Greenpeace zeigt,
dass die Luftprobleme deutscher Städte viel weiträumiger sind, als
bislang bekannt. Die Hauptquelle des giftigen Stickoxids sind
Dieselmotoren. Spätestens durch den Abgasskandal wurde öffentlich,
dass viele Diesel auf der Straße deutlich mehr Stickoxide ausstoßen
als erlaubt. "Die Politik darf die Stadtbewohner und die Dieselfahrer
mit dem Problem schmutziger Motoren nicht allein lassen", sagt Tobias
Riedl, Greenpeace-Verkehrsexperte. "Die Hersteller müssen
verpflichtet werden, alte Diesel so nachzurüsten, dass sie die
geltenden Grenzwerte einhalten. Die Verkehrsminister müssen endlich
wirksame Maßnahmen ergreifen, damit die Luft in Städten besser wird."
Am Vortag der Verkehrsministerkonferenz in Stuttgart
veröffentlicht Greenpeace die Ergebnisse der Stickoxid-Messungen, die
die Umweltschutzorganisation im Frühjahr zusammen mit der Universität
Heidelberg durchgeführt hat. In allen zwölf gemessenen Städten konnte
Greenpeace an großen Straßen zu hohe Konzentrationen an Stickoxid
nachweisen. Offiziell dokumentiert ist das Problem bislang nur an den
wenigen Messstationen des Umweltbundesamts. "Flächendeckend
überschrittene Grenzwerte bei giftigen Stickoxiden sind in deutschen
Städten der alarmierende Normalfall. Statt die Gesundheit der
Menschen mit verpflichtenden Nachrüstungen durch die Hersteller zu
schützen und notfalls auch Fahrverbote zu verhängen, kuschen
Verkehrsminister Dobrindt und seine Landeskollegen weiter vor der
Autolobby", so Riedl. Stickoxide führen alleine in Deutschland zu
10.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr. Der Messbericht online:
http://gpurl.de/evPiV
Verkehrsministerkonferenz diese Woche muss liefern
Die Verkehrsminister der Länder treffen sich morgen und übermorgen
in Stuttgart, auch um über Wege zu besserer Luft in Städten zu
sprechen. Zuletzt hatten die Minister Pläne für die sogenannte Blaue
Plakette auf Eis gelegt. Diese würde Autos mit hohem Stickoxidausstoß
aus besonders belasteten Stadtteilen fern halten. In einer
repräsentativen Umfrage im Auftrag von Greenpeace hatten sich Ende
August 59 Prozent der Bundesbürger für solche Fahrbeschränkungen
ausgesprochen. "Die Verkehrsminister müssen liefern. Das aktive
Wegschauen bei der Luftverschmutzung durch die Autoindustrie muss ein
Ende haben", so Riedl.
Greenpeace hat im Frühjahr in folgenden Städten Stickoxidwerte
gemessen: Stuttgart, Esslingen, Tübingen, Frankfurt, Wiesbaden,
Düsseldorf, Dortmund, Köln, München, Mainz, Freiburg und Augsburg.
Insgesamt wurden 124 stationäre Messungen durchgeführt, von denen 63
über dem Grenzwert liegen. 89 dieser Messungen wurden an großen
Straßen durchgeführt. 74 Prozent davon überstiegen den Grenzwert.
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Datum: 05.10.2016 - 07:36 Uhr
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