Mittelbayerische Zeitung: Eine neue Herausforderung / Statt eine Friedensdividende einzufahren, muss Deutschland für seine Armee mehr Geld ausgeben.
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Jahren der damalige Bundespräsident Theodor Heuss den ins Manöver
ziehenden Grenadieren der jungen Bundeswehr. Seinerzeit wurde die
noch im Aufbau befindliche Armee der Bundesrepublik argwöhnisch
beäugt. Wer sich für die Wiederbewaffnung einsetzte, wurde in die
Nähe von Revanchisten gerückt. Militärisches allgemein war nach den
bitteren Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges für viele Menschen
Teufelszeug. Hinzu kam, dass bei Gründung der Bundeswehr Offiziere
und Unteroffiziere fast ausnahmslos aus der ehemaligen Wehrmacht,
teilweise aus der Waffen-SS, stammten. In den folgenden Jahren führte
der Kalte Krieg zwischen Ost und West zu explodierenden
Rüstungsausgaben und einer zahlenmäßig großen Bundeswehr. Umso größer
waren dann nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der deutschen
Vereinigung 1990 allerdings die Hoffnungen auf eine Art
"Friedensdividende". Geld also, dass man nun nicht mehr in Rüstung
und Armee stecken müsste, könnte in andere, zivile Projekte fließen.
Ein Trugschluss, wie wir heute wissen. Zwar wurde die Truppenstärke
der Bundeswehr in kurzer Zeit von einstmals rund 500 000 auf heute
178 000 Soldatinnen und Soldaten mehr als halbiert. Auch der Wehretat
wurde kräftig eingedampft. Doch die Welt wurde in der Folge leider
nicht so friedlich, wie man sich das vor einem Vierteljahrhundert
vorstellte. Heute steht die gründlich verkleinerte und mehrfach
reformierte deutsche Armee ganz anderen Herausforderungen gegenüber.
Nicht mehr der Dritte Weltkrieg, nicht mehr der von Moskau
beherrschte Pakt mit Millionen Soldaten, zig Panzern, Flugzeugen und
atomaren Raketen sind die Herausforderung, sondern die sogenannte
asymmetrische Bedrohung. Kleine, terroristische Organisationen vom
Schlage des sogenannten "Islamischen Staates", der El Kaida oder
andere mehr, bedrohen unsere Sicherheit, führen Kriege in anderen
Teilen der Welt. Das hat und das muss Konsequenzen für die Ausrüstung
und den Einsatz der deutschen Armee haben. Mit der Abkehr von der
Wehrpflicht, die vom einstigen CSU-Hoffnungsträger Karl-Theodor zu
Guttenberg eingeleitet wurde, kam hinzu, dass die Bundeswehr um ihren
Nachwuchs werben muss. Die einstige Quelle für Offiziere und
Unteroffiziere - die Wehrpflichtigen - versiegte weitgehend. Die
Armee steht, wie Branchen in der Wirtschaft auch, im Wettbewerb um
die fähigsten Köpfe. Nicht immer ist die Bundeswehr dabei siegreich.
Trotz einiger Verbesserungen kann sie Spitzenabsolventen aus Technik
und Informatik nicht jene Gehälter bieten, die die freie Wirtschaft
zahlen kann. Die couragierte und überaus ehrgeizige
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sitzt seit gestern mit
den obersten Führungskräften der Armee zusammen. Die CDU-Politikerin
weiß nur zu gut um die neuen, größeren Herausforderungen an die
Bundeswehr. Doch allein mit mehr Kitas in den Kasernen und
kostenlosem WLAN wird sie das Nachwuchsproblem nicht in den Griff
bekommen. Sie muss das Image der Armee gründlich aufpolieren sowie
das über Jahrzehnte verfilzte und ineffiziente Beschaffungswesen, das
zuletzt immer wieder für negative Schlagzeilen sorgte, neu
organisieren. Unerschütterlich ist zumindest von der Leyens
lächelnder Wir-schaffen-das-Optimismus. Sie würde gern über 2017
hinaus Oberbefehlshaberin der Bundeswehr bleiben, erklärte sie jetzt.
Dass ihr weiterer Kurs auch das Kanzleramt im Visier hat, sagt von
der Leyen dagegen nicht.
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Datum: 17.10.2016 - 21:55 Uhr
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