Mittelbayerische Zeitung: Das Bewusstsein schärfen / Kommentar zum Urteil gegen den Fahrdienstleiter von Bad Aibling
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und das Leid dutzender Verletzter, Angehöriger und Helfer in Bad
Aibling verantwortlich ist, taugt nicht zum Dämon. Höchstens zum
armen Teufel. Zu glaubwürdig sind seine Reue und Entschuldigungen, zu
erklärlich sein Griff zum Handy in einer einsamen Routineschicht.
Dass er nun in Deutschland als Erster überhaupt als Verantwortlicher
für ein großes Zugunglück ins Gefängnis muss, ist dennoch kein Grund,
Mitleid mit ihm zu empfinden. Es ist Aufgabe des Strafrechts, die
grundlegenden Werte des Gemeinschaftslebens zu schützen. Eine Strafe
soll den Täter und andere von ähnlichen Vergehen abhalten. Sie soll,
soweit das möglich sein kann, Schuldausgleich, Sühne und Vergeltung
für begangenes Unrecht erlauben. Und auch: dem Täter die Verarbeitung
seiner Schuld ermöglichen. Die nun verhängte Gefängnisstrafe kann all
das leisten. Sie kann das Leid der Opfer nicht lindern, ihnen und den
Angehörigen aber wenigstens ein Gefühl von Gerechtigkeit geben. Und
bei allen anderen das Bewusstsein dafür schärfen, wie verheerend und
katastrophal auch kleine Momente der Unachtsamkeit sein können. Bei
der Arbeit, im Straßenverkehr, überall.
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Datum: 05.12.2016 - 20:15 Uhr
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