Neue Westfälische (Bielefeld): Bericht der Anti-Doping-Agentur
Russland muss raus
Andreas Kornes
ID: 1434812
Entweder, man nimmt exklusive Mittelchen, die (noch) nicht
nachweisbar sind. Chinesische Labore beispielsweise bieten
Designerdrogen an, die unauffindbar sind. Diese Version ist
kostspielig und deshalb nicht für die breite Masse geeignet. Oder man
ist Teil eines systemischen Dopings. Das verteilt die Kosten auf
viele Schultern. Im Radsport war das vor einigen Jahren in kleinerem
Stil zu beobachten, als komplette Teams gemeinschaftlich betrogen.
Noch besser ist es aber, quasi der Optimalfall, wenn ein freundlicher
Geheimdienstmitarbeiter dabei behilflich ist, positive Proben
unauffällig verschwinden zu lassen. Der Sportler kann auf Bewährtes
und Billiges zurückgreifen, denn er muss sich keine Sorgen machen.
Selbst wenn der Kontrolleur klingelt - kein Problem. Die Urinprobe
wird auf dem Weg in ein unabhängiges Labor verschwinden oder gegen
eine saubere getauscht. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist gleich
Null. Je größer das System wird, desto größer die Gefahr, dass etwas
durchsickert. Irgendwann bröckelt jede Mauer des Schweigens. So war
es in Russland. Es begann mit der Aussage eines Insiders und mündet
jetzt in den vielleicht größten Dopingskandal aller Zeiten. Mehr als
1.000 Sportler sollen Teil eines professionellen Systems gewesen
sein. Von ganz oben geschützt und unterstützt. Diese Zahl, dieser
ganze Vorgang ist so unfassbar, dass es nur eine Konsequenz geben
kann: Russland hat so lange bei internationalen Sportereignissen
nichts zu suchen, bis es ernsthaft am Kampf gegen Doping teilnimmt.
Dass es niemals eine hundertprozentige Sicherheit geben kann, ist
klar. Aber dass der Betrug staatlich organisiert wird, ist nicht
hinnehmbar. Diese Forderung hatte es schon nach dem ersten Teil des
McLaren-Reports gegeben. Der erschien drei Wochen vor den
Sommerspielen in Rio, und das Internationale Olympische Komitee
drückte sich um harte Konsequenzen. Stattdessen schob es die
Entscheidung an die Verbände ab. So einfach darf es sich das IOC nun
nicht machen. Jetzt muss ein klares Signal her. Natürlich besteht bei
einem Komplettausschluss die (offenbar minimale) Gefahr, dass es auch
saubere Athleten trifft. Viel größer ist allerdings die
Wahrscheinlichkeit, dass es saubere Athleten anderer Nationen trifft,
die dem hungrigen Bären mit Wattebällchen bewaffnet entgegentreten
müssen.
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Datum: 09.12.2016 - 20:10 Uhr
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