NABU: Dem Artenschutz in Deutschland droht erhebliche Verschlechterung

NABU: Dem Artenschutz in Deutschland droht erhebliche Verschlechterung

ID: 1437942
(ots) - Der NABU kritisiert die geplante Neufassung des
Bundesnaturschutzgesetzes. Nach Ansicht der Naturschützer droht damit
eine empfindliche Aufweichung der geltenden Schutzbestimmungen und
des Artenschutzes insgesamt. Ein Schritt, der nach Auffassung des
NABU vollkommen ohne Not geschieht. Zudem widersprechen entscheidende
Passagen der Novelle geltendem EU-Recht. "Wir sehen absolut keine
Notwendigkeit für die geplanten Änderungen. Wir fordern den
Gesetzgeber auf, die Novelle so nicht zu verabschieden", sagte
NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Mit der Neufassung will das zuständige Bundesumweltministerium
eigentlich die Naturschutzrichtlinien der EU in Deutschland besser
umsetzen. Ein Ziel, das der NABU begrüßt und unterstützt. Doch dem
Anspruch, praktikable Lösungen für den Naturschutz zu finden, wird
die Novelle nicht gerecht. Zwar bietet sie Verbesserungen für den
Meeres- und Biotopschutz. Doch beim Schutz von Arten drohen
erhebliche Verschlechterungen.

Ein zentraler Kritikpunkt der Naturschützer: Die Novelle führt,
insbesondere im Bereich Artenschutz, neue Begrifflichkeiten ein, die
auf EU-Ebene nicht verankert sind. Dazu zählt unter anderem das
geplante "Signifikanzkriterium". Demnach müsste künftig,
beispielsweise beim Bau von Windkraftanlagen oder Straßen, nicht mehr
zwangsläufig überprüft werden, ob diese Bauten geschützte Arten
beeinträchtigen. Stattdessen könnte eine "hinnehmbare Menge getöteter
Tiere" bestimmt werden - nach Ansicht des NABU absolut keine
akzeptable Option für funktionierenden Artenschutz. Zudem wären
aufgrund der unbestimmten Regelungstechnik Rechtsstreitigkeiten
künftig vorprogrammiert.

Kritik übt der NABU auch am Vorgehen des Bundesumweltministeriums
bei der Abstimmung der Novelle. Trotz der weitreichenden Auswirkungen
im Artenschutzrecht wurden die Natur- und Umweltschutzverbände nicht


frühzeitig beteiligt. Stattdessen wurde den Verbänden eine
unangemessen kurze Frist zur Stellungnahme von zwei Wochen gewährt.
Dies liegt deutlich unter den Empfehlungen für eine gute
Gesetzgebung.

Zu den möglichen Auswirkungen der Novelle im Detail:

- Artenschutz: Hier sollen neue, unbestimmte Rechtsbegriffe
eingeführt werden. Damit würde das sorgfältige Prüfen möglicher
Folgen von Eingriffen in die Natur weniger verlässlich, dem
Artenschutz droht insgesamt eine Aufweichung.

- Biotopschutz: Hier wird eine Gesetzespassage konkretisiert zum
Schutz von Tieren während der Brutzeit. Bisher war es nicht
erlaubt, Hecken und Sträucher zurückzuschneiden oder auf den
Stock zu setzen. Einem aktuellen Gerichtsurteil zufolge fiel ein
komplettes Entfernen von Hecken oder Sträuchern jedoch nicht
darunter. Dies soll nun geändert werden. Außerdem werden jetzt
auch Höhlen und Stollen in die Liste der gesetzlich geschützten
Biotope aufgenommen.

- Biotopverbund: Hier wird ein Zieljahr genannt bis zu dem die
Länder den Biotopverbund auf zehn Prozent ihrer Landesfläche
umsetzen müssen. Aufgrund fehlender Sanktionsmöglichkeiten des
Bundes hat dies jedoch rein deklaratorischen Charakter.

- Meeresschutz: Hier nimmt die Novelle sinnvolle Verweise auf die
Ziele der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie auf. Dabei fehlen
jedoch präzisere Regelungen, zum Beispiel zur Frage der
Kompensation von Eingriffen im Bereich der ausschließlichen
Wirtschaftszone (AWZ). Die geplante Privilegierung von
Windkraftanlagen gegenüber anderen Eingriffsvorhaben lehnt der
NABU ab.

- Was komplett fehlt: Der Gesetzgeber lässt die Chance ungenutzt,
mithilfe der Novelle auch anderen Handlungsbedarf im
Naturschutzrecht "abzuräumen". So fehlt die dringend notwendige
Konkretisierung der "guten fachlichen Praxis" in Land- und
Forstwirtschaft. Auch der Schutz von Vögeln an Freileitungen
wurde nicht an den aktuellen Stand der Technik angepasst.

Die komplette Stellungnahme des NABU finden Sie hier: www.NABU.de/
imperia/md/content/nabude/naturschutz/naturschutzrecht/161216_nabu-st
ellungnahme_bnatschg-novelle2017.pdf



Pressekontakt:
NABU-Pressestelle, Tel. 030-284984-1952/-1510, E-Mail: presse@NABU.de

Original-Content von: NABU, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  NABU zieht positive Bilanz der Weltnaturschutzkonferenz in Mexiko Ölbohrungen Wattenmeer - Greenpeace kommentiert Rechtsgutachten von Minister Habeck
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 19.12.2016 - 15:19 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1437942
Anzahl Zeichen: 4804

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Umweltpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 496 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"NABU: Dem Artenschutz in Deutschland droht erhebliche Verschlechterung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

NABU (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Tag des Grundgesetzes (23.5.): Naturschutz und Demokratie gehören zusammen / Ehrenamt zeigt, wie lebendig unsere Demokratie ist ...
Zum Tag des Grundgesetzes am 23. Mai betont der NABU (Naturschutzbund Deutschland) die Bedeutung demokratischer Beteiligung und eines starken Rechtsstaats. "Demokratie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Gesellschaft aktiv mitgestalten. Genau das passiert jeden Tag im N

Wo sind unsere Igel und Maulwürfe? / Vom 20. bis 30. September nach den heimlichen Gartenbewohner schauen und sie melden ...
Maulwürfe und Igel leben in vielen Gärten. Trotzdem bekommt man sie selten zu Gesicht. Vom 20. bis 30. September sind alle dazu aufgerufen, genauer hinzuschauen und die heimlichen Garten- und Parkbewohner zu melden. "Wer mitmacht, leistet einen Beitrag zum Artenschutz", sagt Milena Still

Wer wird Vogel des Jahres 2025? / Hausrotschwanz, Kranich, Schwarzspecht, Schwarzstorch und Waldohreule stehen zur Wahl ...
Am 3. September starten NABU und sein bayerischer Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) zum fünften Mal die öffentliche Wahl - alle können mitmachen und entscheiden, wer der nächste Jahresvogel werden und dem Kiebitz nachfolgen soll. "Mit Hausrotschwanz, Kranich, Schwarzspech


Weitere Mitteilungen von NABU


NABU zieht positive Bilanz der Weltnaturschutzkonferenz in Mexiko ...
Der NABU hat eine positive Bilanz der 13.Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention über die Biologische Vielfalt gezogen, die am Wochenende in Cancún/Mexiko zu Ende gegangen ist. NABU-Präsident Olaf Tschimpke: "Die Beschlüsse sind wegweisend, vor allem für die Landwirtschaft. Die Regie

NABU: Gefährliche Einstufung von HBCD-haltigen Dämmplatten muss bleiben ...
An diesem Freitag wird der Bundesrat darüber entscheiden, ob Styropordämmungen mit dem giftigen Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) nicht mehr als gefährlicher Abfall behandelt werden sollen. Der NABU ist strikt gegen den saarländischen Vorstoß und ruft alle Bundesratsmitglieder da

Greenpeace-Analyse: Chemie in Speisefisch / Zuchtfisch wie Lachs und Forelle mit verbotenem Pflanzenschutzmittel belastet ...
Zuchtfisch ist stark mit der Chemikalie Ethoxyquin belastet. Das zeigt eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Laboruntersuchung von Fischprodukten aus Lachs, Forelle, Dorade und Wolfsbarsch. Ethoxyquin wird verwendet, um Tierfutter wie Fischmehl für den Transport haltbar zu machen. Als Pflanzen

NABU: EU-Naturschutzrichtlinien bleiben/ Tschimpke: Meilenstein - Kommissar Vella hat Rückwärtsgang in der Umweltpolitik abgewehrt ...
Der NABU begrüßt die heutige Entscheidung der EU-Kommission zur Beibehaltung der EU-Naturschutzrichtlinien. Bei ihrem wöchentlichen Treffen beendete das Kollegium der 28 EU-Kommissare unter Jean-Claude Juncker damit eine heftige Debatte, die der Präsident vor über zwei Jahren selbst gestarte


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z