rbb exklusiv: Missbrauchsfall Erkner: Eltern erheben schwere Vorwürfe
ID: 1438049
evangelischen KITA in Erkner besuchte, erheben jetzt schwere Vorwürfe
gegen die evangelische Kirche und die zuständigen
Staatsanwaltschaften Frankfurt (Oder) und Cottbus.
Ihre vierjährige Tochter Lisa (Name geändert) soll von einem
Erzieher missbraucht worden sein. Der Fall wurde im August 2014
öffentlicht. Ende September 2015 wurde der Erzieher auf Bewährung
verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der rbb fand jetzt
heraus, dass sich der mutmaßliche Täter seitdem, also zwei Jahre
lang, keinerlei Kontrollen unterziehen musste. Auf Nachfrage erklärt
die zuständige Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) dem rbb, dass sich
"der Täter selbst in eine Therapie begeben habe". Gleichzeitig
bestätigt sie, dass es diese Auflage ebenfalls vom Gericht gab. Da
das Urteil nicht rechtskräftig ist, wird auch nicht kontrolliert.
Der Missbrauch soll 2014 während des Mittagsschlafes stattgefunden
haben. Der Vater kann nicht verstehen, wie so etwas unentdeckt
bleiben konnte, denn im Nachgang wurden noch rund 40 mutmaßliche
Missbrauchstaten an 10 Kindern bekannt, auch in der KITA Woltersdorf
und schon in seiner Praktikumszeit 2010 und 2011. Der Vater von Lisa
zweifelt an der ordnungsgemäßen Betreuung der Kinder. Er sagte dem
rbb: "Was für mich nicht nachvollziehbar ist, ist wie ein Täter so
viele Kinder anfassen konnte und in Gruppenräumen während der
Hauptbetreuungszeit allein mit so vielen Kindern war. Wir haben
diesbezüglich auch eine Aussage von einer KITA Bediensteten selbst,
dass auch das technische Personal beauftragt wurde, auf die Kinder
aufzupassen. Für mich ist das von der berufsethischen Auffassung eine
große Schweinerei."
Nachdem die Vorwürfe 2014 durch den Vater von Lisa bekannt wurden,
meldete sich auch eine Mitarbeiterin der KITA, die derartiges
beobachtet haben will. Nach rbb Recherchen bot man dem Erzieher dann
einen Aufhebungsvertrag an. Und statt dafür zu sorgen, dass er nicht
mehr als Erzieher arbeiten darf, erhielt er eine Beurteilung, ohne
Andeutung auf die Vorfälle. Eine Strafanzeige stellte die
KITA-Leitung nie, obwohl der Erzieher später ihr gegenüber weitere
Missbrauchsfälle einräumte und auch Namen nannte. Wie der
Superintendent der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Frank
Schürer-Behrmann dem rbb im Interview sagte, bedaure man die Vorfälle
sehr. Er gibt zu, dass der mutmaßliche Missbraucher auch zeitweise
allein mit den Kindern war. Eine Schuld der KITA Leitung sieht er
jedoch nicht. Frank Schürer-Behrmann: "Die Erzieher haben sich dem
Grunde nach den Regeln verhalten. Wir haben Handlungsrichtlinien und
an die halten wir uns."
Am 18.1.2017 wird eine neue Verhandlung im Fall Lisa stattfinden.
Dann werden auch die weiteren Missbrauchstaten an anderen Kindern am
Landgericht Frankfurt (Oder) verhandelt. Der Vater von Lisa meint,
die Staatsanwaltschaft habe zu spät reagiert, auch im Hinblick auf
weitere, mutmaßliche Missbrauchstaten. Die Staatsanwaltschaft
widerspricht und erklärt auf Nachfrage, Zitat: "Am 29.09.2015, dem
Tag der Hauptverhandlung, ergab sich der Anfangsverdacht."
Nach rbb Recherchen erhärtet sich die Aussage des Vaters. Denn
schon im Februar 2015 hatte der Verteidiger des Angeklagten Erziehers
der Staatsanwaltschaft angeboten, dass sein Mandant "reinen Tisch"
machen und "weitere Taten gestehen wolle", die nicht Gegenstand der
Ermittlungen im Fall Lisa seien. Obwohl die Staatsanwaltschaft einen
Vermerk darüber fertigt, passiert bis zur Hauptverhandlung im
September 2015 nichts weiter. Deshalb wird 2015 auch nur der Fall von
Lisa verhandelt. Erst danach ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter.
Der Erzieher ist aber auf freien Fuß. Dabei gäbe es Handlungsbedarf,
könnte der Täter eine potentielle Gefahr sein. Nach rbb Recherchen
soll der Erzieher seit Jahren auch Kinderpornografie konsumieren.
Eine Straftat. Und obwohl die, für diese Delikte zuständige
Staatsanwaltschaft Cottbus in das Verfahren eingebunden wurde,
kontrolliert sie weder Computer oder Handys des Erziehers.
Der Vater von Lisa hat dafür kein Verständnis, zumal er gern
wüsste, ob der Erzieher nicht Fotos von seiner Tochter aufgenommen
hat. Lisas Vater zum rbb: "Trotz Nachfragen durch mich persönlich
keine diesbezüglichen Maßnahmen seitens der Staatsanwaltschaft. Es
gab noch nicht einmal Befragungen der Mitarbeiter, ob auffälliges
Verhalten entsprechend EDV beobachtet worden ist in den letzten
Monaten durch den Täter."
Zwei Jahre lang versuchen die Eltern, Behörden für diese Problem
sensibel zu machen. Sie legten jetzt alle Details auch dem CDU
Rechtsexperte des Landtages, Danny Eichelbaum, vor. Er sieht hier
einen Systemfehler und will den Fall jetzt in den Rechtsausschuss
bringen. Danny Eichelbaum: "Es stellen sich die Fragen, warum wurden
Zeugen nicht vernommen, warum gab es keine Durchsuchung von PC und
anderen Computern und vor allen Dingen warum gab es keine Auflagen,
dass der Beschuldigte eben nicht mehr mit Kindern beruflich verkehren
darf."
Und deshalb verlangen wir, dass der Justizminister in der nächsten
Sitzung des Rechtsausschusse Rede und Antwort steht. Auch im
Bildungsministerium wurde jetzt eine Prüfung angestoßen. Wie der
Pressesprecher der Behörde dem rbb mitteilt, glaube man den Eltern.
Ralph Kotsch: "Sollten sich die Vorwürfe erhärten wird es
Konsequenzen für die KITA haben." Der Anwalt des Täters teilte dem
rbb mit, dass sein Mandant keine Fragen beantworten möchte.
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Datum: 19.12.2016 - 18:48 Uhr
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