Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu China/Investitionen: Kontrolle ist besser von Christine Hochreiter
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war das keine schöne Bescherung: Zwei Jahre lang hatte das Management
des Spezialmaschinenbauers mit einem chinesischen Konsortium die
Übernahme verhandelt, kurz vor Weihnachten platzte der Deal. Andere
Interessenten sind auf weiter Flur nicht in Sicht und Aixtron muss
nun sehen, wie und ob es sich ohne fremde Hilfe aus den tiefroten
Zahlen winden kann. Harte Einschnitte und ein Abbau von
Arbeitsplätzen sind jedenfalls so gut wie vorprogrammiert. Der Fall
Aixtron zeigt: Anders als häufig behauptet wird, sind chinesische
Investitionen in deutsches Know-how keine Einbahnstraße. Davon
profitieren nicht nur die Übernehmer (dahinter steckt oft der
chinesische Staat mit seinen strategischen Interessen), sondern auch
die Übernommenen. Fakt ist - bislang: Chinesische Investoren haben in
deutschen Unternehmen in den vergangenen Jahren eher Stellen
geschaffen als abgebaut. Die meisten Käufer aus der Volksrepublik
verfolgen einen langfristigen Ansatz, von dem beide Seiten etwas
haben. Aixtron-Chef Goetzeler etwa erhoffte sich einen besseren
Zugang zum milliardenschweren chinesischen Markt, auf dem
Konkurrenten aus den USA längst erfolgreich unterwegs sind. Die
finanziell hochpotente Fujian Grand Chip Investment sollte aber nicht
nur Geld für die Expansion ins Ausland, sondern auch für Forschung
und Entwicklung mitbringen. Die Machthaber in Peking haben das Ziel
ausgerufen, langfristig in allen Schlüsselbranchen die technologische
Weltmarktführung zu übernehmen. Dafür brauchen sie auch deutsches
Know-how. Und so haben 2016 die chinesischen Firmenübernahmen in der
Bundesrepublik einen Höchststand erreicht. Mit Blick auf den
Kaufhunger der Chinesen mehrt sich allerdings die Sorge, dass immer
mehr Wissen und Können aus deutschen Unternehmen nach Asien abfließt.
Vor diesem Hintergrund hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel
angekündigt, heimische Schlüsseltechnologien besser schützen zu
wollen. Nicht zuletzt aber auch, weil der Unmut in der deutschen
Wirtschaft über die chinesische Politik wächst, die hierzulande
möglichst frei agieren möchte, daheim aber für ausländische
Investoren hohe Hürden aufgestellt hat. Bei Aixtron kam es nicht mehr
zu einer Überprüfung des Ministeriums, nachdem US-Präsident Barack
Obama sein Veto gegen die Übernahme der amerikanischen Tochter
eingelegt hatte. Auf Dauer könnte Chinas Hunger auf westliche
Technologie zu einem massiven Problem für Deutschland und andere
Industriestaaten werden. Politik und Wirtschaft sollten sich nicht
von "kurzfristigen Geschäftschancen täuschen lassen", warnen denn
auch Experten des Berliner China-Instituts Merics. Am Ende gehe es
der Pekinger Führung darum, ausländische durch chinesische
Technologien zu ersetzen. In der Konsequenz ist es richtig und
wichtig, dass die Politik bei geplanten Übernahmen aus China künftig
genauer hinschaut: Wie viel Markt steckt dahinter und wie viel
staatliches Interesse? Wem gehört ein Unternehmen und woher kommt das
Geld? Das immense chinesische Interesse an deutscher Technologie
sollte überdies genutzt und benutzt werden, um Peking zu einer
gleichberechtigten Öffnung des Marktes zu bewegen. Chinesischen
Investoren nun ebenfalls Steine in den Weg zu legen, wäre sicherlich
die falsche Option. Der Anlagenbauer Aixtron aus der Nähe von Aachen
steht nach der gescheiterten Übernahme vor einer ungewissen Zukunft.
Ein chinesisches Sprichwort gilt indes für die Wirtschaft und die
Politik gleichermaßen: Dreimal nachdenken - dann handeln.
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Datum: 27.12.2016 - 20:33 Uhr
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