Neue Westfälische (Bielefeld): Frauengleichstellung
Zu kurz gedacht
Marlen Grote
ID: 1443979
Qualifikation bevorzugt einzustellen, hat zu wenig gebracht. Aber
besser wird das auch mit der neuen nicht. Im Gegenteil: Auf jede
Einstellung oder Beförderung einer Frau wirft das Gesetz ein
Fragezeichen. Das schafft auch bei denen Frust, denen es helfen soll.
Frauen wollen nicht eingestellt oder befördert werden, weil sie
Frauen sind, sondern weil sie gut und qualifiziert sind. Die
männlichen Kollegen fühlen sich hingegen diskriminiert. Zu Recht,
denn das ist unfair. Wenn sich das so durchsetzt, werden irgendwann
Rufe nach Männerbeauftragten laut. Und wenn Mitarbeiter jetzt jede
Personalentscheidung skeptisch beäugen, ist das für das Betriebsklima
auch nicht gerade gut. Das Problem liege woanders, sagt der
Beamtenbund. Um Frauen zu unterstützen, fordert er
Familienfreundlichkeit und mehr Anerkennung für Teilzeit anstelle
strittiger Gesetze. Aber auch das ist zu kurz gedacht. Denn warum
soll Familienfreundlichkeit nur Frauen nützen? Rein biologisch ist
die Hälfte aller Eltern männlich. Da liegt der Denkfehler. Wenn Väter
genau so selbstverständlich in Elternzeit gehen und danach ihre
Arbeitszeit reduzieren, verpufft der Karrierenachteil für Frauen.
Dann müssen Arbeitgeber, ob in Kommunen oder in der Wirtschaft, auch
bei Männern mit Ausfallzeiten rechnen und sinnvolle Teilzeitmodelle
anbieten. Ganz nebenbei profitieren Väter auch davon, Zeit mit ihren
Kindern zu verbringen. Rein rechnerisch sollte das gehen: Wenn Eltern
statt 40 plus 20 Arbeitsstunden durch eine Voll- und eine
Teilzeitstelle zum Beispiel zweimal 30 Stunden arbeiten. Zumindest,
falls beide Partner ungefähr gleich viel verdienen, und das ist die
nächste Baustelle. Aber auch die schlechtere Bezahlung von Frauen
geht unter anderem auf Teilzeit und Ausfallzeiten zurück. Wenn sich
endlich die Denkmuster verändern, wonach Familie eben Frauensache
ist, dann könnten all diese umstrittenen Gesetze überflüssig werden.
Dafür aber wären auch in der Arbeitswelt tiefgreifende Veränderungen
nötig. Als Alternative bleiben bis dahin nur hilflos wirkende
Regelungen, die am Ende vermutlich auch keine Mutter zur Chefin
machen werden.
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Datum: 12.01.2017 - 20:00 Uhr
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