Ställe der Zukunft: Überparteiliche nationale Nutztierstrategie gefordert
ID: 1459112
Vertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz, Politik,
Lebensmittelwirtschaft und Forschung diskutierten bei DBU-Forum
über Nutztierhaltung
Die Nutztierhaltung steht in einem wachsenden Spannungsfeld
zwischen Tier-, Umwelt- und Klimaschutz sowie ökonomischen
Ansprüchen. Vertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz,
Lebensmittelwirtschaft, Politik und Forschung haben jetzt bei einem
Forum der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 160
Teilnehmern eine nationale Nutztierstrategie über Partei- und
Ressortgrenzen hinaus gefordert. Nur ein parteiübergreifender,
ganzheitlicher Ansatz sei erfolgversprechend. Auch die Landwirte
spürten, dass ein Wandel notwendig sei. Ideelle Honorierung durch die
Gesellschaft alleine nütze einem landwirtschaftlichen Unternehmen
jedoch nicht, auch die ökonomische Überlebensfähigkeit müsse
gesichert werden. Aufgrund der offenen Grenzen orientierten sich die
Preise in der Regel am Weltmarkt. Der Preiskampf führe jedoch zu
regionalen Umwelt- und Nachhaltigkeitsproblemen. Das Dilemma: Um den
gesellschaftlichen Forderungen nach weiter verbessertem Tierschutz
und emissionsarmen Ställen gerecht werden zu können, bräuchten
Landwirte Planungs- und Investitionssicherheit.
Nationale Nutztierstrategie erfordere Mut und Geld
"Man braucht Zielbilder, wie man mit Nutztieren künftig umgehen
will", sagte Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Präsident des
Thünen-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald
und Fischerei, Braunschweig. Er war einer der Referenten und
Teilnehmer der Podiumsdiskussion, die DBU-Generalsekretär Dr.
Heinrich Bottermann leitete. Auf Grundlage eines Gutachtens vom
Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft stellte er Wege zu einer
gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung vor, aus denen eine
nationale Nutztierstrategie resultieren sollte. Eine Kernfrage sei,
so Isermeyer, ob Politik, Gesellschaft und Landwirtschaft auch den
Mut hätten, die deutsche Nutztierhaltung strategisch von der derzeit
durch den Weltmarkt vorgegebenen Richtung wegzuführen. Dr. Lars
Schrader vom Friedrich-Loeffler-Institut, Celle, gab zu bedenken,
dass so ein Vorhaben jedes Jahr, und zwar langfristig, drei bis fünf
Milliarden Euro kosten würde. Die Finanzierung könne abgedeckt
werden, so DBU-Kuratoriums- sowie Bundestagsmitglied und
Grünen-Politikerin Bärbel Höhn, wenn klima- und umweltschädliche
Subventionen abgebaut und damit Gelder frei würden.
Ressortübergreifendes Gesamtkonzept und Weg der kleinen Schritte
Auf die Frage von Undine Kurth, stellvertretende
DBU-Kuratoriumsvorsitzende und Vizepräsidentin des Deutschen
Naturschutzrings (DNR), was die Branche tun könne, wurde darauf
verwiesen, dass es bereits Allianzen zwischen Bauernverbänden und
Naturschutzorganisationen gäbe. Dennoch sei, nach Einschätzung von
Podiumsteilnehmer Philipp Schulze Esking, die Haltung der Branche
dazu sehr heterogen. Er ist Vizepräsident der Deutschen
Landwirtschafts-Gesellschaft und selbst Landwirt. Durch entsprechende
Label werde für Verbraucher zumindest schon einmal sichtbar gemacht,
dass ein Mehr an Tierschutz nur mit finanziellem Aufwand möglich sei,
bemerkte Jochen Dettmer, Vorstandssprecher des Neuland-Vereins für
tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung. Isermeyer
resümierte: "Eine andere Alternative als eine nationale
Nutztierstrategie sehe ich nicht." Nach Vorstellung von Höhn solle
zum Beispiel für zwei Jahre eine Kommission eingesetzt werden: "Wenn
die Planung gut ist, dann ist auch die Umsetzung gut." Der Beschluss
zu einer nationalen Nutztierstrategie sei aber originäre Aufgabe des
Bundestages - nach vorheriger Vorlage eines gemeinsamen
Gesamtkonzepts von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium.
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Datum: 21.02.2017 - 15:08 Uhr
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