Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Hungersnot in Afrika
ID: 1459234
von 10 000 Menschen an Unterernährung sterben. Die internationale
Definition ist hart, der tägliche Tod weit grausamer. Im Krisenstaat
Südsudan ist fast jeder dritte der zwölf Millionen Einwohner akut
unterernährt. Hunderttausende werden es bis zu den kargen Ernten im
August kaum noch schaffen. Viele Äcker wurden wegen des Bürgerkriegs
gar nicht erst bestellt. Auch in Äthiopien, Eritrea und Kenia steht
kaum etwas auf den Feldern, weil das natürliche Klimaphänomen El Nino
zwei Regenzeiten gestört hat. Nach sechs Jahren kleiner und größerer
Fortschritte mussten die Vereinten Nationen wieder eine große
Hungersnot ausrufen. Sofern die Weltgemeinschaft die erforderlichen
Milliarden zusammenbekommt, wird die zu leistende Nothilfe eine
gigantische Herausforderung für die großen Hilfswerke sein. Selbst
World Vision, Welthungerhilfe, Brot für die Welt und Caritas
International stoßen an Grenzen, wenn es gilt, Millionen von
Verzweifelten zu erreichen. Politisch alarmierend ist das Scheitern
der Neugründung des Staates Südsudan. Nach drei Jahrzehnten Krieg
zwischen dem islamischen Norden und dem christlichen Süden sollte
2011 endlich Frieden einkehren. Mit großem Tamtam wurde der Neuanfang
gefeiert, die Vorschusslorbeeren auch aus Europa waren riesig. Aber
schon nach zwei Jahren zerstritt sich die junge Regierung beim Griff
nach den Öldollars. Der dezimierte (Rest-)Sudan im Norden, mit dem
Völkermörder Ahmad al-Baschir an der Spitze, hintertrieb seinerseits
das weltweit mit Spannung verfolgte Projekt nach Kräften. Spätestens
mit der Ausrufung der großen Hungersnot 2017 ist klar, das Projekt
Südsudan ist gescheitert. Alle internationale Beratung, handfeste
Hilfe ausländischer Fachleute in der neuen Hauptstadt Juba und jede
noch so gut gemeinte Finanzspritze war vergebens. Die afrikanische
Misere hält an - zumindest in diesem Teil des schwarzen Kontinents.
Es gibt kein Rezept für die Rettung gescheiterter Staaten von außen.
Nicht einmal der klassische Leitsatz »teile und herrsche« hilft
weiter. Die Teilung entlang religiöser Grenzen führt zu neuen
Trennungen entlang ethnischer Linien. Und die Aufspaltung von
Herrschaft resultiert nur in den seltensten Fällen in einem neuen,
stabilen Gleichgewicht der Macht. Mindestens drei Millionen Menschen
sind im Südsudan auf der Flucht. Sie müssen ertragen, was ihnen ihre
eigenen gewählten Chiefs und Kriegsherren eingebrockt haben. Und die
Weltgemeinschaft wird wieder helfen, so gut sie kann. Was bleibt, ist
Zynismus. Denn niemand hierzulande muss eine neue Fluchtwelle - sagen
wir - in Bayern befürchten. Denn dafür sind die Südsudanesen viel zu
schwach und Schlepper können sie schon mal gar nicht bezahlen.
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Datum: 21.02.2017 - 21:00 Uhr
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