Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu PSA/Opel

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ID: 1464042
(ots) - PSA-Boss Carlos Tavares und die Chefin von
General Motors, Mary Barra, haben sich in sehr kurzer Zeit auf den
Kauf bzw. Verkauf der Marke Opel mit vier großen Autowerken geeinigt.
Sie waren schneller als manche Privatleute, die nur ein Auto kaufen.
Die Geschwindigkeit macht Eindruck. Allein die Unsicherheit bei den
Opel-Mitarbeitern und -Kunden ist damit nicht vorbei. Aufhorchen
lässt Tavares' Ankündigung, die Sanierung von Opel müsse
eigenverantwortlich, also durch Opel selbst, erfolgen. Das könnte man
so deuten, dass das Management um Karl-Thomas Neumann mehr Freiheiten
erhält als an der doch sehr kurzen Leine von Detroit. Allein dahinter
stehen viele Fragezeichen, konkurrieren doch Peugeot/Citroën
einerseits und Opel andererseits mit ähnlichen Fahrzeugen um den
gleichen europäischen Klein- und Mittelklassewagen-Markt. Dann ist da
noch Tavares' Ankündigung, 1,7 Milliarden Euro einsparen zu wollen.
Diese Summe ist allein durch die gewachsene Verhandlungsstärke
gegenüber Zulieferern nicht zu bewerkstelligen. Da müssen
»Synergieeffekte« mindestens in Forschung und Entwicklung,
möglicherweise aber auch bei der Produktion hinzukommen. Betroffene
Belegschaften wissen nur zu gut, das dies in der Regel den Abbau von
Arbeitsplätzen bedeutet. Dass Tavares die bestehende Jobgarantie von
GM nicht antasten will, bedeutet gar nichts: Jeder Opel-Mitarbeiter,
der jetzt einen Hausbau oder auch nur einen Neuwagen-Kauf erwägt, ist
sich wohl bewusst, will schnell das Jahresende 2018 da sein wird.
Wenn der früher so streitbare Opel-Betriebsrat und selbst die IG
Metall dennoch nicht lauter tönt als ein Corsa-Motor, dann liegt das
natürlich daran, dass der von GM mit der Schließung des Standorts
Bochum bereits eingeleitete Jobabbau auch ohne Eigentümerwechsel
weiter gegangen wäre. Nach zehn Jahren Fahrt in die roten Zahlen kann


ein Management gar nicht anders als das Lenkrad herumzuwerfen.
Immerhin gibt Tavares auch eine Richtung vor, die den Opelanern
besser schmecken dürfte: PSA steigt durch die Übernahme zur Nummer 2
hinter VW auf. Der neue Champions-League-Teilnehmer verbessert so
seine Chancen, sich in neue Regionen (Asien, Amerika) und neue
Technologien (E-Mobilität, selbstfahrende Autos) hineinzuentwickeln.
Gelingt dies, kann das Management an anderer Stelle leichter den Fuß
von der (Job-)Bremse nehmen. Wie lange sich GM in den USA darüber
freuen kann, die »Krücke« Opel losgeworden zu sein, darf man in
Europa in Ruhe abwarten. GM nimmt an, dass die Musik künftig nur noch
in den asiatischen Automärkten spielen wird. Das ist vielleicht
richtig, was die Lautstärke betrifft. Aber noch spielen die Stücke,
die in Europa produziert werden, in einer anderen Qualitätsklasse.



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Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
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Datum: 06.03.2017 - 21:00 Uhr
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