Westfalenpost: Akademisierung war gewollt - Zur Ausbildungskrise
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Welt bewundernd auf das deutsche System der dualen Ausbildung blickt,
wenden wir selbst uns davon ab. Immer mehr Schulabgänger verschmähen
die Lehre und drängen an die Hochschulen. Das gefällt der Wirtschaft
nicht. Doch es wäre falsch, die jungen Leute dafür zu kritisieren:
Sie verhalten sich völlig rational. Ein Uni- oder
Fachhochschul-Abschluss verspricht in der Regel immer noch mehr
Prestige und Geld als eine betriebliche Ausbildung. Und die
Akademisierung war gewollt. Nach der Pisa-Krise zu Beginn des
Jahrhunderts hat die Bildungspolitik den Weg geebnet. Dass mehr als
die Hälfte eines Jahrgangs inzwischen Abitur macht und die Noten
immer besser werden, spricht allerdings dafür, dass die Anforderungen
mittlerweile zu niedrig sind. Die Folgen baden die Hochschulen aus.
Langfristig kann das die Berufschancen von Akademikern schmälern.
Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird irgendwann der Markt dafür
sorgen, dass Handwerker mehr verdienen als Soziologen. Aber das kann
dauern. In der Zwischenzeit werden Ressourcen verschwendet. Aber
Veränderungen sind schwierig: Dass man Erzieher oder Pfleger
zunehmend studieren lässt, vor allem, um sie mittelfristig angemessen
bezahlen zu können, spricht Bände.
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Datum: 31.03.2017 - 22:15 Uhr
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