Lausitzer Rundschau: Falsche Freunde
Zur AfD und jüdischem Leben in Deutschland
ID: 1477775
gehört. Zum Beispiel, dass Flüchtlinge notfalls mit der Schusswaffe
vom Grenzübertritt abgehalten werden sollten, wie ihre Vorsitzende
Frauke Petry im vergangenen Jahr meinte. Dass die gleiche Politikerin
ihre Partei nun zum "Garanten jüdischen Lebens" in Deutschland
ausruft, wirkt da schon überraschend seriös. Ist es bei genauerem
Hinschauen aber nicht. Denn Petry, deren politischer Stern in der AfD
ohnehin im Sinkflug ist, hat ihre angebliche Sorge um das jüdische
Leben mit der pauschalen Diffamierung einer anderen Minderheit
verknüpft. Nämlich der hier lebenden Muslime. Petry will nur die eine
gegen die andere Gruppe hetzen. Tatsächlich ist bei vielen Muslimen
antisemitisches Gedankengut weit verbreitet. Doch das gilt genauso
für die deutsche Wohnbevölkerung. Der Antisemitismus jedenfalls ist
kein Produkt der jüngsten Flüchtlingswelle, wie Petry suggeriert. Wer
sich als AfD-Anhänger trotzdem an den Sympathiebekundungen für das
Judentum stört, der weiß ja auch Leute wie Björn Höcke in ihren
Reihen. Der Mann hat schon eindrucksvoll bewiesen, dass es auch ganz
anders geht: Das Holocaustmahnmal ist für Höcke bekanntlich ein
"Denkmal der Schande" und Ausdruck einer "dämlichen
Bewältigungspolitik", weshalb für ihn und viele andere in der AfD
auch die politische Erinnerungskultur "um 180 Grad" gewendet gehört.
Nein, die AfD ist nicht plötzlich vom Saulus zum Paulus geworden. Von
einem politischen Kurswechsel kann keine Rede sein. Eine Minderheit
gegen die andere auszuspielen, ist genauso schäbig wie alle
Minderheiten verachtend in einen Topf zu werfen. Auf solche "Freunde"
können die Juden in Deutschland getrost verzichten. Es sind keine.
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Datum: 06.04.2017 - 20:21 Uhr
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