Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Smolensk/Polen: Der psychische Faktor von Ulrich Krökel
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Profis. Wenn Gefühle ins Spiel kommen, dann vor allem die der Wähler.
Populisten gelten als Meister der emotionalen Manipulation. Viel zu
selten werden dagegen die psychischen Bedingungen analysiert, unter
denen Politiker handeln. Eine solche Herangehensweise gerät schnell
unter den Verdacht, selbst irrational zu sein, eher noch esoterisch.
Dabei ist keineswegs nur im Fall von Donald Trump offensichtlich,
dass die Psyche eines Politikers erheblichen Einfluss auf sein
Handeln haben kann. Jaroslaw Kaczynski, der starke Mann Polens,
gehört eindeutig in diese Kategorie. Verstörend ist vor allem sein
Umgang mit der Flugzeugkatastrophe von Smolensk, bei der sein
Zwillingsbruder Lech starb.
Der überlebende Kaczynski geht seither fest von einem Mordkomplott
aus, das sein innenpolitischer Erzrivale Donald Tusk und der
russische Präsident Wladimir Putin geschmiedet haben sollen. Er
ignoriert nicht nur hartnäckig alle Fakten, sondern leitet aus dieser
Verschwörungstheorie auch politisches Handeln ab. Zuletzt versuchte
er mit geradezu blindwütiger Ignoranz, eine Wiederwahl von Tusk als
EU-Ratspräsident zu verhindern.
Es steht außer Zweifel, dass bei der Aufklärung der
Smolensk-Katastrophe Fehler gemacht worden sind, die das Zeug zu
einem politischen Skandal haben, vergleichbar etwa dem Versagen der
Ermittler im Fall des NSU-Terrors in Deutschland. Kaczynski
allerdings ist nicht an Aufarbeitung interessiert. Er lebt und
handelt nach den absurdesten Verschwörungstheorien, die sich um das
Unglück ranken. Man wird sich schwer damit tun, dafür eine
rational-politische Erklärung zu finden.
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Datum: 09.04.2017 - 21:15 Uhr
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