Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Präsidentschaftswahl in Frankreich
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Sorgen macht, dem ist dringend zu empfehlen, sich das TV-Duell
zwischen den beiden französischen Präsidentschaftskandidaten noch
einmal anzuschauen. Zweieinhalb Stunden haben sich Marine Le Pen und
Emmanuel Macron am Mittwoch Abend gegenseitig beschimpft, beleidigt
und mit Unterstellungen überhäuft.
Selbst wenn man noch nie oder zumindest schon lange nicht mehr in
Frankreich war, gibt einem diese Schlammschlacht zur besten Sendezeit
schnell eine Ahnung davon, wie zerrissen das Land sein muss. Und wie
schwer es der nächste Staatspräsident haben wird.
Es steht viel auf dem Spiel. Sehr viel sogar. Frankreich muss sich
neu erfinden und noch ist ungewiss, in welche Richtung diese
Neuerfindung zielen wird. Europa und die Europäische Union aber
werden die Konsequenzen zu spüren bekommen - so oder so.
Man muss sich das klarmachen: Die erste Runde der
Präsidentschaftswahlen hat das politische System in Trümmer gelegt.
Weder die Sozialisten noch die Konservativen schafften es in die
Stichwahl. Hierzulande ging das fast unter, weil Macron vor Le Pen
lag. Sein Vorsprung betrug nur wenige Prozentpunkte - trotzdem war
der Jubel groß. Nicht selten begleitet von der im Brustton der
Überzeugung vorgetragenen Ansicht, dass Macron jetzt ja gar nicht
mehr verlieren könne.
Offenkundig haben viele - übrigens auch erschreckend viele
Journalisten - wenig aus der jüngeren Vergangenheit gelernt. Nach
Trump und Brexit sollte eigentlich klar sein: Keine Wahl ist
entschieden, bevor die Wahllokale geschlossen sind. Es ist aber
leider überhaupt nicht klar. Was wiederum eine ungeheure
Respektlosigkeit gegenüber dem Souverän - hier dem französischen Volk
- offenbart.
Freilich muss, wer weiter auf die Europäische Union setzt und -
allen Problemen zum Trotz - an ihre Zukunft glaubt, auch sagen
dürfen, dass er Macron die Daumen drückt. Die Glückwunschadressen
zahlloser EU-Granden allerdings, darunter deutsche Spitzenpolitiker
wie Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Kanzleramtsminister Peter
Altmaier (CDU), waren nicht nur voreilig, sondern geradezu schädlich.
So hatte Marine Le Pen in den vergangenen zwei Wochen leichtes Spiel,
ihre Vorwürfe gegenüber »den Eliten« in Paris, Brüssel und anderswo
zu bekräftigen. Sie machte reichlich Gebrauch davon. Auch im TV-Duell
diffamierte sie Macron permanent mit dem Vorwurf, bloß ein Vasall von
Kanzlerin Angela Merkel zu sein.
Und gravierender noch: Glauben die französischen Wähler
tatsächlich, dass die Sache entschieden ist, könnten sie womöglich
bei der Stichwahl zu Hause bleiben. Man kann nur hoffen, dass das
nicht geschieht, denn die Folgen könnten verhängnisvoll sein. Noch
hat Frankreich die Wahl.
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Datum: 04.05.2017 - 21:20 Uhr
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