Maischberger
am Mittwoch, 10. Mai 2017, um 22:45 Uhr
ID: 1489032
Deutschland eine Leitkultur?"
Die zehn Thesen von Innenminister Thomas de Maiziére zur
Leitkultur sorgen für Streit: soll etwa die neue
Leitkultur-Diskussion den Rechtspopulisten im Wahljahr ihr Thema und
ihre Wähler abspenstig machen? Oder geht es wirklich um Integration?
Ist es in einer Umbruchzeit mit mehr Zuwanderung und einem wachsenden
Nationalismus in Europa wichtig, über eine Leitkultur zu sprechen?
Und wer muss Leitkultur lernen? Etwa nur die Migranten, nur die
Muslime? Oder brauchen auch die sogenannten "Bio-Deutschen" Nachhilfe
in "Leitkultur", wenn es z.B. um Themen wie Toleranz und
Gerechtigkeit geht?
Die Gäste:
Joachim Herrmann, CSU (Bayerischer Innenminister) Sawsan Chebli,
SPD (Berliner Staatssekretärin) Motsi Mabuse (Profi-Tänzerin und
Schauspielerin) Hans-Ulrich Jörges ("Stern"-Autor) Birgit Kelle
(Publizistin)
Joachim Herrmann
Der CSU-Spitzenkandidat für den Bundestag unterstützt die Thesen
von Thomas de Maizière: "Wohin falsch verstandene Liberalität führen
kann, zeigt Frankreich mit deutlich erstarkten Rechtsextremen
einerseits und andererseits unhaltbaren Zuständen in sogenannten
No-Go-Areas in Vororten von Paris." Der bayerische Integrationsansatz
baue auf eine starke Verpflichtung zur deutschen Leitkultur.
Multikulti hingegen sei gescheitert: "Nur mit den festen Leitplanken
einer deutschen Leitkultur kann die Integration in Deutschland
dauerhaft funktionieren", sagt Joachim Herrmann.
Sawsan Chebli
"Die 10 Thesen von Thomas de Maizière zur Leitkultur sind
gefährliche Stimmungsmache gegen Muslime. Kein Wahlkampf rechtfertigt
das. Die Leitkultur schließt Menschen aus. Deutschland ist für mich
so viel weiter", kritisiert die SPD-Politikerin. Die gebürtige
Berlinerin mit palästinensischen Wurzeln ist gläubige Muslima und
fordert: "Wir dürfen die Integrationsdebatte nicht mit der Diskussion
über Muslime und Islam oder Religion insgesamt vermengen. Für mich
und für die allermeisten Muslime gilt das Grundgesetz ohne Wenn und
Aber".
Motsi Mabuse
Die RTL-Jurorin ("Let´s dance") zeigt sich erschreckt über eine
zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland: "Das Klima für
Ausländer in Deutschland wird rauer. Die Stimmung ist ungesund für
uns alle. Es tut mir weh, dass es so viel Rassismus gibt", sagt Motsi
Mabuse, die in Südafrika aufwuchs und im Jahr 2000 als 18-Jährige
nach Deutschland kam. Fremdenfeindlichkeit beobachte sie im
Alltäglichen und im Internet. Die immer stärker werdende rechte
Bewegung in Europa mache ihr Angst.
Hans-Ulrich Jörges
"Immer der gleiche Flachsinn" - so nennt der Journalist die
erneute Debatte um die deutsche Leitkultur. Der Bundesinnenminister
habe sich "einen 17 Jahre alten Hut aufgestülpt". Das Mitglied der
"Stern"-Chefredaktion kritisiert die Ansammlung von islamkritischen
Klischees wie "Wir geben uns in Deutschland die Hand", "Wir sind
stolz auf unsere Leistung" oder "Wir sind nicht Burka" - was man
ebenso gegen Muslime sage.
Birgit Kelle
"Die Diskussion über Leitkultur ist überfällig. Integration heißt
ja, sich einzufügen - und wer hier herkommt, muss sich einfügen",
sagt die Publizistin. Die Deutschen hätten wegen ihres historischen
Erbes ein großes Problem mit Patriotismus und Nationalstolz, müssten
aber für die vielen Neuankömmlinge genaue Regeln definieren, wie das
Zusammenleben gestaltet werden soll, meint Birgit Kelle. "Es ist
falsch, den Migranten nichts abzuverlangen. Wer beispielsweise einer
Lehrerin in der Schule den Handschlag verweigert, hat ein
Integrationsproblem."
"Maischberger" ist eine Gemeinschaftsproduktion der ARD,
hergestellt vom WDR in Zusammenarbeit mit der Vincent TV GmbH.
"Maischberger" im Internet unter www.DasErste.de/maischberger
Redaktion: Elke Maar (WDR)
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Tel: 089/5900 23876, E-Mail: agnes.toellner@DasErste.de
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Datum: 09.05.2017 - 11:46 Uhr
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