Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur NRW-Landtagswahl
ID: 1490963
NRW-Wahl tatsächlich zu einem echten Duell geworden. Und das nicht
nur, weil nach dem reihenweisen Ausschluss von Koalitionsoptionen
vieles auf eine Große Koalition hindeutet. Sie oder er, SPD-Frau oder
CDU-Mann, Hannelore Kraft oder Armin Laschet - wer soll die nächste
Landesregierung anführen? Allein, dass diese Frage den Wahltag
bestimmt, ist eine Sensation. Sollte es dem Herausforderer
tatsächlich gelingen, die Amtsinhaberin zu schlagen, käme das einem
politischen Erdbeben gleich. Für die Parteien im Land, erst recht
aber für die beiden Spitzenkandidaten höchstpersönlich. Und dann
wären da ja noch die Schockwellen im Rest der Republik: Ein
Merkelianer, der ausgerechnet im Jahr der Bundestagswahl die
»Herzkammer der Sozialdemokratie« und Heimat des neuen
SPD-Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz erobert?
Man kann sich vorstellen, was dann los sein dürfte in Berlin. Das
Rennen scheint äußerst knapp und offen wie nie. Ein Grund mehr, das
zu tun, was ohnehin selbstverständlich sein sollte - nämlich zur Wahl
zu gehen, wenn man nicht bereits per Briefwahl abgestimmt hat. Unsere
Demokratie lebt vom Mitmachen - und die Beteiligung bei der NRW-Wahl
2012 war mit 59,6 Prozent lausig. Hier gibt's etwas gutzumachen. In
zwei der drei letzten Umfragen hat die CDU erstmals seit mehr als
einem Jahr die SPD überholt. Die miese Regierungsbilanz lastet schwer
auf Rot-Grün. Auch der einst komfortable Vorsprung der Landesmutter
in den persönlichen Beliebtheitswerten ist arg zusammengeschmolzen.
Eine simple Erklärung dafür sucht man vergeblich: Denn den einen
Fehler wie ein peinliches Interview beispielsweise gab es nicht. Und
dass sie Wahlkampf kann, hat Hannelore Kraft in den vergangen Wochen
auch wieder eindrucksvoll bewiesen. Die Kümmerin ist dicht bei den
Menschen - und sie ist es gern. Umso bemerkenswerter, dass ihr
Herausforderer im Direktvergleich so deutlich aufholen konnte. Egal,
wie es an diesem 14. Mai ausgeht: Armin Laschet hat jetzt schon viele
seiner Kritiker - gerade auch in den eigenen Reihen - Lügen gestraft.
Was ist dem politischen Dauerläufer, der erst nach zwei bitteren
Niederlagen an die Spitze der nordrhein-westfälischen CDU gelangte,
nicht alles angekreidet worden: Er habe kein Profil, zeige zu wenig
Angriffslust - und ein frisches Gesicht sei er schon gar nicht. Doch
Laschet hat sich nicht beirren lassen, ist konsequent seinen Weg
gegangen und sachlich geblieben, wo ihm Draufhauen unpassend
erschien. Wie man überhaupt beiden Spitzenkandidaten einen fairen
Umgang miteinander bescheinigen muss. Das ist in Zeiten wie diesen
leider nicht selbstverständlich und hat ein Lob verdient. Erst recht,
da es um viel geht. Sehr viel sogar.
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Datum: 12.05.2017 - 21:00 Uhr
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