Mitteldeutsche Zeitung: Unglück/Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt: Brandschutzexperte rätselt über Feuer in London
ID: 1500066
Londoner Stadtteil North Kensington lässt Brandexperten in
Sachsen-Anhalt ratlos zurück. Man stelle sich intern die Frage, wie
sich das Feuer so schnell ausbreiten konnte, sagte Frank Mehr,
Branddirektor am Institut für Brand- und Katastrophenschutz in
Heyrothsberge (Jerichower Land), der in Halle erscheinenden
Mitteldeutschen Zeitung (Donnerstagausgabe). "Bei uns in Deutschland
ist es so, dass wir einen sogenannten vorbeugenden Brandschutz
haben", so Mehr. Dieser sorge dafür, dass sich ein Feuer nicht so
rasend schnell von einer abgeschlossenen Wohneinheit auf die nächste
ausbreitet könne. Ob es im 24-stöckigen Hochhaus in London
Versäumnisse beim Brandschutz gegeben haben könnte, darüber wollte
der Experte keine Vermutungen anstellen.
Bei einer Einschätzung, ob es in Sachsen-Anhalt zu Katastrophen
ähnlichen Ausmaßes kommen könnte, reagierte Mehr verhalten. "Es wäre
vermessen zu sagen: ,So was kann bei uns nicht passieren.´" Aus Sicht
des Brandschutzes werde jedoch alles getan, um so etwas zu
verhindern. Dabei verwies der Experte auf die enge Verzahnung von
vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz. Der vorbeugende Brandschutz
ist eine Einheit der Feuerwehr, die sich im Vorfeld mit der Verhütung
von Bränden in Gebäuden befasst. Sie kümmert sich laut Mehr zum
Beispiel darum, "dass Mauerdurchbrüche, wo Rohrleitungen von einer
Wohnung in die nächste gehen, derart verschlossen werden, dass das
Feuer dort nicht durchkommt." Auf diese Maßnahmen muss sich der
abwehrende Brandschutz - konkret die Feuerwehreinsatzkräfte - unter
anderem bei der Brandbekämpfung verlassen können. Zum Standard gehört
es laut Mehr auch, dass Hochhäuser hierzulande eine Standsicherheit
von 90 Minuten haben. Das heißt, Feuerwehrleute haben die Gewissheit,
dass sie anderthalb Stunden Zeit haben, um in die Gebäude gehen zu
können und Menschen zu retten, bevor es zu einem Einsturz in Folge
des Brandes kommen könnte.
Der Brandschutzexperte wies zudem darauf hin, dass die
Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehren begrenzt sind. Bei einem solchen
Großbrand könne die Rettung von Personen außerordentlich schwierig
sein. Eine Rettung über einen Hubschrauber etwa funktioniere aufgrund
der Thermik nicht. Auch eine Höhenrettung mit Seilen sei bei einem
Vollbrand nicht anwendbar, weil die Seile ebenfalls brennbar seien.
"Damit muss man resümieren, dass die Feuerwehr Einsatzgrenzen hat,
die irgendwann erreicht sind", so Mehr.
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Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
Telefon: 0345 565 4200
hartmut.augustin@mz-web.de
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Datum: 14.06.2017 - 19:10 Uhr
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