Neue Krebsmedikamente - Können wir uns den Fortschritt leisten?
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Krebstherapie sind groß. Aber können wir uns die zahlreichen neuen
Medikamente auch leisten? Auf dem Hauptstadtkongress 2017 - Medizin
und Gesundheit (HSK) diskutierten Onkologen, Politiker und
Wissenschaftler über die Herausforderung der "Chronifizierung" von
Krebs.
Prof. Dirk Jäger ist ein Mann aus der Praxis; er weiß, wovon er
spricht. Im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in
Heidelberg, wo er den klinischen Bereich leitet, werden pro Jahr
12.000 bis 13.000 neue Tumorpatienten behandelt. Seine Erfahrung
fasst Jäger so zusammen: "Wir sehen erstmals in der Onkologie
revolutionäre Dinge. Wir werden besser. Und wir sehen Dinge, von
denen wir vor kurzem nicht zu träumen wagten."
Ein Beispiel: Das metastasierte Melanom (schwarzer Hautkrebs). Bis
vor kurzem war das mediane Überleben unter einem Jahr, so Jäger. "Wir
sehen heute mit den modernen Therapien ein Langzeitüberleben. 20
Prozent der Patienten leben zehn Jahre nach ihrer Diagnose in absolut
stabiler Situation." "Chronifizierung" nennen das die Experten: Die
Krankheit ist nicht geheilt, aber der Tumor ist "unter Kontrolle".
Krebs - schon im alten Ägypten gefürchtet
Krebs war und ist des Menschen ständiger Begleiter. Schon vor
4.700 Jahren haben Ärzte die Krankheit beschrieben und auf Papyrus
festgehalten: "Es gibt keine Behandlung." Erste Erfolge gibt es seit
rund hundert Jahren, aber einen richtigen Schub hat die
Krebsbehandlung erst mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms
erfahren. Das hat die Krebstherapie gewandelt. "Jede Erkrankung ist
im Grunde eine unique Situation", so der Onkologe Jäger. "Selbst
Patienten mit der gleichen Diagnose können von den Therapien sehr
unterschiedlich profitieren."
Die Forschungsstrategie umschreibt er so: "Wir versuchen die
individuelle Ausprägung der Krankheit besser zu verstehen. Wir fragen
uns: Was treibt im konkreten Fall die Tumorerkrankung?" Und dann
sucht Jäger nach der für den konkreten Patienten erfolgreichen
Therapie oder Therapiekombination. Für den Forscher bedeutet das: Das
Konzept der Standardtherapien für bestimmte Krebsarten muss überdacht
werden.
Krebs: "Verdammt häufig"
Krebs ist eine "verdammt häufige Erkrankung," erläuterte Prof.
Bertram Häussler vom IGES-Institut auf dem Hauptstadtkongress. Über
vier Millionen Menschen hatten in Deutschland in ihrem Leben schon
einmal Krebs. Bei rund anderthalb Millionen von ihnen liegt die
Diagnose schon mehr als zehn Jahre zurück. Auch Häussler weiß um die
Erfolge der Krebsbehandlung und -prävention: In Deutschland nimmt die
Krebssterblichkeit seit 1990 ab - um 25 Prozent in 25 Jahren. Daten
aus den USA zeigen, dass auch die Fünfjahres-Überlebensrate über alle
Krebserkrankungen stetig zunimmt. Aber: Das Risiko, einmal in seinem
Leben an Krebs zu erkranken, "ist enorm hoch", so der
Institutsleiter. Jeder Zweite, egal ob Mann oder Frau, wird im Laufe
seines Lebens Krebs bekommen. Krebs ist in Deutschland etwa so häufig
wie Diabetes, so Häussler.
Damit ist die Herausforderung eingekreist: Mehr Krebsfälle, mehr
Menschen, die immer länger mit ihrem Krebs leben, der Bedarf einer
individualisierten Therapie und der Wunsch, den Krebs immer besser zu
bekämpfen. Steht das deutsche Sozialsystem vor dem Dilemma, den
Fortschritt zwar haben zu wollen, aber nicht bezahlen zu können? Um
die Antwort vorweg zu nehmen: Nein, das Sozialsystem steht nicht vor
diesem Dilemma.
CDU-Abgeordneter Kippels: Finanzierung ist lösbar
In der Tat: Die Ausgaben für Krebsmedikamente sind in den
vergangenen Jahren gestiegen. 1996 macht ihr Umsatz in Deutschland
noch rund eine halbe Milliarde Euro aus (nach
Apothekenverkaufspreisen). 2014 lagen die Ausgaben der Gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) bei rund fünf Milliarden Euro, erläuterte
Häussler. Und sie steigen momentan stetig an - ein Ergebnis des
Innovationsschubs.
Ein Grund, nervös zu werden, ist das für den Mediziner und
Soziologen nicht. Er mahnt, das Gesamtpaket zu sehen: Mehrausgaben
für Krebsmedikamente müssen nicht zwangsläufig zu einem Mehr der
Gesamtausgaben für Arzneimittel führen.
Das Wachstum ist Ausdruck des Fortschritts: Immer mehr Medikamente
für immer mehr Krebsarten bedeuten immer mehr Ausgaben. Man kann es
aber auch so betrachten: Gemessen am deutschen Bruttoinlandsprodukt
beträgt der Anteil der Ausgaben für Krebsmedikamente rund 0,165
Prozent. Das sind 17 Promille - für den Kampf gegen die
zweithäufigste Todesursache des Landes.
Der Bundestagsabgeordnete Georg Kippels sieht für die Politik die
enorme Herausforderung, dass "die in der Krebsbekämpfung
bemerkenswerten Fortschritte aus der Forschung" auch beim Patienten
ankommen". Die Finanzierbarkeit des Fortschritts sei lösbar: "Die
Zahlen, die wir heute gehört haben, sind bei weitem nicht in einer
Dimension, dass Zweifel an der Leistungsfähigkeit des
Gesundheitssystems angebracht wären."
Pressekontakt:
Winfried Rauscheder
Redaktion Pharma Fakten
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Datum: 22.06.2017 - 12:09 Uhr
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