Mittelbayerische Zeitung: Falsche Anreize / Die Kaufprämie für Elektroautos ist wenig beliebt, aus

Mittelbayerische Zeitung: Falsche Anreize / Die Kaufprämie für Elektroautos ist wenig
beliebt, aus gutem Grund. Sie gehört abgeschafft.

ID: 1504608
(ots) - Seit einem Jahr gibt es die Kaufprämie für
Elektroautos. Die meisten potenziellen Kunden haben sie als
uninteressant abgetan. Bis heute sind nur etwas mehr als 30 000 reine
E-Mobile (mit 4000 Euro) und Hybride (mit 3000 Euro) in Deutschland
gefördert worden. Bei insgesamt 3,35 Millionen neuen Autos pro Jahr
(2016) ist das sehr bescheiden. Eher ärgern sich die Steuerzahler
darüber, dass sie Autoherstellern - einer Branche, der es ohnehin gut
geht - gezwungenermaßen unter die Arme greifen. Und warum um alles in
der Welt muss man jemandem, der sich ein Auto für bis zu 60 000 Euro
(in der Grundausstattung, in Wirklichkeit also für viel mehr) leisten
kann, noch mal 4000 Euro hinterherwerfen? Stand heute ist diese
Kaufprämie ein Flop. Man sollte sie abschaffen. Die Kanzlerin steht
kaum im Verdacht, übereilt zu handeln. Doch selbst sie hat das
Regierungsziel offiziell begraben, eine Million Elektroautos bis 2020
auf der Straße zu haben. Im selben Atemzug hätte man die Kaufprämie
gleich mit beerdigen können. Das wäre konsequent gewesen. Schließlich
wurde die Subvention vor einem Jahr als Notmaßnahme eingeführt, um
irgendwie auf die angestrebte Million zu kommen, ohne auch
elektrische Fahrräder hinzuaddieren zu müssen. Die Botschaft einer
Kaufprämie ist klar: Der Staat sagt mir, ich befände mich - in seinem
Sinne - auf dem richtigen Weg. Der Konsument seinerseits geht von
einem Versprechen des Staates aus, er könne sich darauf verlassen,
dafür belohnt zu werden; beziehungsweise von Strafmaßnahmen verschont
zu bleiben, die jenen auferlegt werden, die diesen Weg nicht
mitgehen. Zaghafte Anreize dieser Art gibt es bereits. Bei der
Kfz-Steuer sind E-Autos frei, Verbrenner werden je nach
Schadstoffausstoß belastet. Andererseits könnten aber böse
Überraschungen lauern, bei Elektroautos etwa in einem Steueraufschlag


für Autostrom. Was die Elektromobilität aber bremst, das sind die
begrenzten Reichweiten in Verbindung mit einer unbefriedigenden
Ladestruktur. Wir verzichten ungern auf den Komfort, uns
unkompliziert und jederzeit weit fortbewegen zu können. Darin ist das
E-Auto noch eingeschränkt - weniger als die meisten Menschen glauben,
aber in einigen Fällen halt doch. Und die Stromer sind schlicht zu
teuer. Vielleicht stimmt aber auch die Preiskalkulation nicht. Die
Frage lautet dabei: Kann oder soll man als Autobauer Zukunft
einpreisen? Es ist absehbar, dass sich die Verhältnisse drehen
werden. Wenn China Quotenregeln für Stromer verlangt und in der EU ab
2021 saftige Strafzahlungen drohen, sobald der erlaubte
Flottenverbrauch überschritten wird, dann sind die heutigen
CO2-Schleudern jetzt zu billig bzw. die Stromer zu teuer. Das gilt
sogar unabhängig davon, ob das E-Auto aufgrund des vorhandenen
Strommixes aktuell wirklich Kohlendioxid spart. Die Hersteller
müssten ein gesteigertes Interesse daran haben, die Kunden so bald
wie möglich von Elektroautos zu überzeugen - oder sie müssten
Verbrenner mit alternativen Kraftstoffen und ausgeglichener
CO2-Bilanz anbieten. Die Bundesregierung muss sich fragen lassen,
warum sie E-Kaufprämien offeriert, aber gleichzeitig Diesel geringer
besteuert als Benzin. Warum sie so lasch gegen Abgasbetrüger vorgeht.
Und warum sie bei der EU gegen noch strengere Verbrauchsvorschriften
ab 2021 interveniert hat. Eine Regierung soll beim Thema Mobilität
die Lebensqualität aller Bürger mehren. Dazu gehören etwa gesunde
Umwelt, Komfort, Arbeit, Einkommen, hohe Verfügbarkeit. In Berlin hat
man das richtige Rezept dafür noch nicht gefunden. Die Kaufprämie
jedenfalls ist dafür überflüssig.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 27.06.2017 - 20:18 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1504608
Anzahl Zeichen: 4192

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Wirtschaft (allg.)



Diese Pressemitteilung wurde bisher 361 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Falsche Anreize / Die Kaufprämie für Elektroautos ist wenig
beliebt, aus gutem Grund. Sie gehört abgeschafft.
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


Straubinger Tagblatt: Zu Google Nicht genug ...
Für Konzerne wie Google, die sich ihre Dienste mit den Daten ihrer Kunden bezahlen lassen, wird dies nur eingeschränkt Auswirkungen haben: Denn der Nutzer entscheidet, ob er zu diesem Tauschgeschäft bereit ist. Tut er dies nicht, kann er die Googledienste nicht mehr nutzen. Und genau da hat d

Selectcore und First Global kündigen Start von FintechUnion an ...
Selectcore und First Global kündigen Start von FintechUnion an NICHT ZUR VERBREITUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN ODER ÜBER US-NACHRICHTENDIENSTE BESTIMMT. TSX Venture Exchange: FGD Frankfurter Wertpapierbörse: 1G5 Toronto, ON, 27. Juni 2017 - Diese Pressemeldung w

Mit LEDs zurück zur Natur (FOTO) ...
LEDs der neuen SunLike Serie vereinen die patentierte LED-Chip-Technologie von Seoul Semiconductor und die TRI-R Phosphortechnologie von Toshiba Materials. Diese LEDs der nächsten Generation bieten die weltbeste Lichtqualität fuer Human Centric Lighting Konzepte und sind perfekt auf den Bi

Rheinische Post: Verbraucherschützer Klaus Müller lobt Google-Entscheidung ...
Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, lobt die von der EU-Kommission gegen Google verhängte Strafe. "Google hat mit dieser Geschäftspraktik dem fairen Wettbewerb geschadet und die Angebotsvielfalt eingeschränkt", sagt Klaus Müller der in Düsseldorf


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z