NABU fordert gesetzliche Regelung zur Reduzierung von Plastiktüten
ID: 1504834
zwischen dem Handelsverband Deutschland (HDE) und dem
Bundesumweltministerium, Plastiktüten nicht mehr kostenfrei
abzugeben, begrüßt der NABU erste Erfolge zur Reduzierung von
Plastiktüten und fordert deutliche Nachbesserungen. Nach Angaben des
Handelsverbandes ist der Pro-Kopf-Konsum an Plastiktüten in
Deutschland gesunken. Laut Branchenverband verringerte sich 2016 der
Tütenverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um zwei Milliarden Stück auf
3,6 Milliarden Tüten. Das entspricht einem Pro-Kopf-Konsum von 45
Tüten (2015: 68). Nicht berücksichtigt sind dabei Hygienebeutel wie
für Obst und Gemüse oder Wurst und Käse an der Frischetheke. Das
Bundesumweltministerium und der HDE hatten die Initiative zum 1. Juli
2016 gestartet.
"Es ist erfreulich, aber nicht überraschend, dass der Verbrauch
zurückgegangen ist. Das zeigt auch, dass den Kunden vor der
Vereinbarung, die eigene Plastiktüte regelrecht aufgedrängt wurde.
Wie die Entwicklung weitergeht und ob es tatsächlich gelingt, die
Plastikflut in Deutschland deutlich zurückzudrängen, wird sich
zeigen", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.
Trotz erster Erfolge geht die getroffene Vereinbarung nicht weit
genug: Erstens erfasst die Vereinbarung zur Kostenpflichtigkeit der
Plastiktüten noch viel zu wenige Tüten, da sich nicht alle
Unternehmen der Selbstverpflichtung angeschlossen haben. Zweitens
gibt es kein Monitoring, wie sich der Verbrauch an Papiertüten im
gleichen Zeitraum entwickelt hat. Für eine positive Umweltwirkung
müssen Einwegtüten insgesamt reduziert werden, da Papiertüten keine
bessere Ökobilanz haben als Plastiktüten.
"Ohne eine staatliche Abgabe für alle Einwegtüten ist nicht damit
zu rechnen, dass auch die Branchen umdenken, in denen es fast immer
noch kostenlose Einwegtüten gibt, wie der Textilhandel oder
Apotheken. Auch Imbisse, Bäckereien, Kioske oder Wochenmärkte, deren
Plastiktüten häufig in der Landschaft und in Gewässern landen, geben
Tüten in der Regel noch immer kostenlos ab", so Miller weiter. Die
Folgen zeigen sich auch an Deutschlands Küsten, wo der NABU im Rahmen
seines "Spülsaum-Monitorings" auf nur 100 Metern Küste regelmäßig
zwischen zwei und fünf Plastiktüten findet.
Damit künftig alle Branchen die Plastiktütenflut reduzieren,
schlägt der NABU eine einheitliche gesetzliche Abgabe für alle
Einwegtüten, ob aus Kunststoff oder Papier, vor. Diese wäre von den
Kunden an der Kasse zu entrichten. Die Einnahmen müssen zweckgebunden
sein und etwa in Projekte zur Abfallvermeidung fließen.
"Es geht nicht darum, einfach nur die EU-Verordnung umzusetzen,
was heißt, den Verbrauch bis Ende 2025 auf 40 Tüten pro Kopf und Jahr
zu reduzieren. Für Deutschland, das bei 71 Tüten begonnen hat, ist
das Ziel nicht sehr ambitioniert", kritisiert NABU-Expertin für
nachhaltigen Konsum Katharina Istel. "Ziel muss sein, den Verbrauch
an Einwegtüten mindestens auf das Niveau der europäischen
Spitzenreiter, das heißt unter zehn Tüten zu bringen, ohne dass dabei
einfach auf Papiertüten umgestellt wird", so Istel weiter.
Kostenfreie Pressefotos zu Plastiktüten:
www.NABU.de/presse/pressebilder/index.html#konsum
Mehr zum Thema Plastiktüten: www.NABU.de/plastiktuete
Mehr zum NABU-Projekt "Meere ohne Plastik":
www.meere-ohne-plastik.de
Zahlen HDE: http://ots.de/Z0L9i
Pressekontakt:
Katharina Istel, NABU-Expertin für nachhaltigen Konsum,
Tel. +49 (0)30.28 49 84-1661, E-Mail: Katharina.Istel@NABU.de
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Datum: 28.06.2017 - 10:53 Uhr
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