Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Ehe für alle
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Ostwestfalen-Lippe, die morgen im Bundestag gegen die Ehe für alle
stimmen wollen, sind keine rückwärtsgewandten Männer von gestern.
Sie wägen das Für und Wider ab und treffen eine
Gewissensentscheidung. Sie sagen Nein, weil sie unter der Ehe etwas
anderes verstehen als SPD, Grüne und Linke - und ein bisschen
vielleicht auch, weil der Koalitionspartner eine Vereinbarung
gebrochen hat. Für manche mag das kleinkariert sein, für andere
konsequent.
Vom Abstimmungsverhalten der CDU-Parlamentarier aus unserer
Region lässt sich eines ganz sicher schließen: Die 309 Abgeordneten
der Union werden morgen mit großer Mehrheit gegen den Gesetzentwurf
votieren. Ob das CDU und CSU bei der Wahl schaden wird? Mit Angela
Merkels Kurswechsel, der die Abstimmung möglich gemacht hat, gewinnt
die Union vielleicht Stimmen im Promillebereich. Aber die Gefahr,
konservative und katholische Stammwähler zu verlieren, ist zumindest
da. Ob der ungeschickte Vorstoß der Kanzlerin die Union am 24.
September ein oder zwei Prozent kosten wird? Reine Spekulation.
Wer seinen Wahlkreis direkt gewinnt, der zieht in den Bundestag
ein. Das wissen vor allem Christian Haase (Höxter) und Carsten
Linnemann (Paderborn). Im katholisch geprägten Hochstift dürfte die
Ablehnung der Ehe für alle größer sein als anderswo. Und das bedeutet
eben nicht, dass die Leute hier weniger weltoffen wären. Sie
vertreten einfach ihre Wertvorstellungen.
Es gibt gute Gründe für und gute Gründe gegen die Ehe für alle.
Und es gibt gute Gründe für den besonderen Schutz der Ehe von Mann
und Frau.
Am Ende betrifft das neue Gesetz etwa 200.000 Menschen in
Deutschland, knapp 0,25 Prozent der Gesamteinwohner. 7000
Minderjährige leben bei gleichgeschlechtlichen Paaren, eine Million
Kinder leben in heterosexuellen nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften,
bei Alleinerziehenden sind es 2,2 Millionen und bei Ehepaaren etwa
zehn Millionen Kinder.
Es verrät eine Menge über uns und unser Land, dass ein solches
Randthema, das eine sehr kleine Minderheit betrifft, das Zeug zur
Regierungskrise hat. Die Debatte zeigt, auf welchem Niveau Politik
und Wahlkampf gemacht werden - und wie weit sich der Berliner Betrieb
von den Problemen der Leute entfernt hat.
In der Mitte der Gesellschaft wird die Bundestagswahl entschieden.
Und die Ehe für alle betrifft die Bevölkerungsmehrheit nicht.
Insofern könnte sich der Schaden für die Union in Grenzen halten. Und
die SPD sollte sich nicht zu freuen. Eine rot-rot-grüne Mehrheit, für
welches Gesetz auch immer, könnte abschreckend wirken.
Aber es gibt auch Gewinner: nämlich die gleichgeschlechtlichen
Paare, die bald in den Stand der Ehe treten dürfen.
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Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
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Datum: 28.06.2017 - 21:10 Uhr
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