Lausitzer Rundschau: Ein Kartell zerbricht Neuer Skandal in der Autoindustrie

Lausitzer Rundschau: Ein Kartell zerbricht

Neuer Skandal in der Autoindustrie

ID: 1513456
(ots) - Die EU-weit geforderten Grenzwerte für CO2 und
andere Umweltschadstoffe lassen sich nur mit kleinen, leichten Autos
einhalten - oder mit elektrischen Antrieben. Die deutschen Kunden
aber lieben große Autos mit mächtigen Motoren. Und die deutsche
Autoindustrie liebt diese Autos auch, weil sie an ihnen am meisten
verdient. Hier beginnt das Kartell, das nun zerbricht. Hersteller,
die betrügen, Kunden, die sich betrügen lassen, Politiker, die das
alles decken. Wie immer, wenn so etwas auffliegt, ist es amüsant zu
beobachten, wer die anderen zuerst beschuldigt, um die eigene Haut zu
retten. Im Fall der jetzt vom "Spiegel" aufgedeckten jahrelangen
Absprachen sind es VW und Daimler. Es war ja immer schon
verwunderlich, warum die Ingenieure der anderen deutschen Hersteller
Volkswagen nicht längst anzeigten wegen der niedrigen Abgaswerte, die
nur auf Prüfständen eintraten. Warum das die US-Umweltbehörde
entdecken musste. Jetzt zeigt sich: Die Mogelei war die gemeinsame
Antwort auf die Herausforderung, die der Hybrid-Antrieb asiatischer
Anbieter darstellte. Und sie erstreckte sich auf viele weitere
Parameter, sodass man sich nicht unnötig Konkurrenz und Kosten
machte. Vorsprung durch Technik? Nein, Vorsprung durch Absprache.
Sigmar Gabriels bissiger Hinweis an Donald Trump, die Amerikaner
müssten eben bessere Autos bauen, wenn sie mehr davon in Europa
verkaufen wollten, erscheint jetzt in einem anderen Licht. Vielleicht
bauen sie ja schon die ehrlicheren Autos. Zu dem Kartell gehören auch
die Kunden. Niedrige Verbrauchswerte und Öko-Getue im Marketing
verschaffen selbst im SUV ein gutes Gewissen. Auch die Käufer suchen
nun mit Macht das Weite. Wobei sie meist wenig interessiert, dass
ihre Diesel-Abgase viele Menschen draußen belästigen, gar krankmachen
können. Gegen Fahrverbote sind sie weiterhin. Sie interessiert nur,


dass der Wiederverkaufswert sinkt. Es ist Pech für die deutschen
Autokonzerne, ihre Kunden und Aktionäre, dass die ganze Affäre mitten
in den Bundestagswahlkampf fällt. Auch die politisch an dem Kartell
Beteiligten springen jetzt nämlich ab. Deren wichtigste Aufgabe war
es, erstens wegzusehen und zweitens immer auf die Arbeitsplätze
hinzuweisen, die nicht gefährdet werden dürften. Dieses Kartell
reichte von Merkel und Dobrindt - vor allem Dobrindt - über die in
den Aufsichtsräten sitzende SPD bis hin sogar zu den Grünen mit ihrem
Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Weil Wahlkampf ist, wird es
nun überall heißen "Rette sich wer kann", und das verheißt aus Sicht
der Autoindustrie nichts Gutes für den Diesel-Gipfel am 2.August. Mit
Entgegenkommen kann sie nicht mehr rechnen, nicht bei Fahrverboten,
nicht bei der Nachrüstpflicht, vielleicht nicht einmal beim
Steuerprivileg für den Diesel. Es wird jetzt richtig teuer. Aber das
ist gut so - weil es die einzige Chance für einen ehrlichen und
ambitionierten Neuanfang dieser Branche ist.



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Datum: 23.07.2017 - 18:36 Uhr
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