Lausitzer Rundschau: Vergleiche hinken - oder?
Zur Debatteüber die Zukunft des Diesel
ID: 1516173
entdeckt wurde, dass die Hersteller die vorgegebenen Höchstgrenzen
für Nikotin und Teer heimlich systematisch überschreiten. Zudem
drohen den Konzernen hohe Strafen. Die Rücknahme der alten und ihr
Austausch gegen neue, "gesündere" Zigaretten wird von der Branche als
zu teuer abgelehnt. Arbeitsplätze sind in Gefahr. Vor diesem
Hintergrund sind die Forderungen von Bayerns Ministerpräsident Horst
Seehofer (SPD) und seines niedersächsischen Kollegen Stephan Weil
(SPD), den Absatz der Zigaretten durch Kaufprämien oder eine Senkung
der Tabaksteuer zu stützen, absolut verständlich . . . Vergleiche
hinken? Stimmt, deswegen endet dieses fiktive Beispiel hier. Es ist
ja auch zu absurd. Die Zigarettenkonzerne haben übrigens anders als
die Autohersteller die Menge der tatsächlichen Inhaltsstoffe in
Wirklichkeit nicht gefälscht, das geht da gar nicht. Außerdem steigen
sie derzeit von sich aus und mit Macht auf E-Zigaretten um, während
die Autoindustrie bei ihrem alten Produkt bleibt: Dieselmotoren. Der
Vorschlag von Seehofer und Weil zu Lösung der aktuellen Krise der
Automobilwirtschaft ist leider Realität. Hier macht sich die Politik
direkt zum willigen Helfer der Konzerne, statt ihnen im Sinne der
Kunden und des Umweltschutzes die Bedingungen zu diktieren. Durch
eine solche Subvention veralteter Technik würden Weiterentwicklungen
eher verhindert als gefördert. Und das bei einer Branche, die im
vergangenen Jahr rund 30 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftete -
allein die deutschen Hersteller. Das ist Staatssozialismus mit
Steuergeldern. Es stimmt, die deutsche Autoindustrie ist eine
Schlüsselbranche für das Land. Aber wenn es diese Industrie nicht
schafft, diesen Status aus eigener Kraft mit überzeugenden Produkten
zu akzeptablen Preisen zu halten, hat sie diesen Namen nicht
verdient. Man nennt das übrigens Marktwirtschaft.
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Datum: 31.07.2017 - 22:17 Uhr
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