Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur Nachwuchsstrategie des FC Bayern München , Autor: Sebastian Böhm
ID: 1532178
neue Maßstäbe setzen. Mit der Eröffnung des
Nachwuchsleistungszentrums Anfang August hat sich der deutsche
Rekordmeister bewusst für eine nachhaltige Transferpolitik
entschieden. Der FCB geht in der neuen Welt, in der Ablöserekorde
nicht mehr lange halten, alte Wege. Das ist eine kluge Entscheidung.
Die neue Welt: Das sind katarische Scheichs, die sich einen
Starzirkus halten. Diese Investoren zahlten im Sommer für einen
Neymar 222 Millionen Euro. Ein Kylian Mbappé soll ihnen bis zu 180
Millionen Euro wert sein. Jetzt spielen beide für Paris
Saint-Germain, dem nächsten Gegner der Bayern in der Champions
League. Heißt also: In der nächsten Woche gibt es Stars in der Manege
- und die Bayern. Noch ist es dem Team von Carlo Ancelotti absolut
zuzutrauen, dass es sich am Mittwoch zum Dompteur aufschwingt und den
Franzosen die Vorstellung versaut. Doch auf Dauer wird es für die
Bayern immer kniffliger. Und das nicht nur sportlich.
Neuverpflichtungen a la Neymar und Mbappé treiben die Trikotverkäufe
nach oben und machen die Clubs auf den begehrten globalen Märkten
bekannter. Asiatische Zuschauer kennen eben zumeist nur eine
begrenzte Anzahl von Fußball-Profis, meistens handelt es sich hierbei
um Weltstars. Doch diese Spieler sind für den FC Bayern finanziell
nicht mehr erschwinglich. Aber es gibt ja noch einen anderen Weg, um
im globalen Wettrüsten der Fußballaushängeschilder nicht
unterzugehen: die eigene Ausbildung. Ganz nach dem Motto: Auch ein
Neymar ist nicht als Star auf die Welt gekommen. Und die Bayern haben
schließlich schon bewiesen, dass sie jungen Talenten zum Durchbruch
verhelfen können. Unter Louis van Gaal wurde Thomas Müller zum
Stammspieler und David Alaba feierte 2010 sein Debüt im Profikader.
Auf die eigene Jugend wurde gesetzt, sie überzeugte und Jupp Heynckes
gewann mit ihr 2013 die Champions League. In der Final-Startelf von
London standen mit Lahm, Schweinsteiger, Alaba und Müller gleich vier
Münchner Eigengewächse. Auf Heynckes folgte Pep Guardiola. Mit dem
spanischen Trainer von Welt schlug der FC Bayern einen neuen Weg ein.
Er wollte nun endgültig ein Global Player werden. Guardiola lockte
große Namen wie Xabi Alonso an die Säbener Straße, wollte jeden
Spieler besser machen, hielt seinen Vorsatz aber bei den eigenen
Talenten nicht ein. Die einstigen Stars von morgen spielen heute
woanders. So wurde zum Beispiel ein Gianluca Gaudino inzwischen fest
an Chievo Verona transferiert. "Wir hatten beim FC Bayern unabhängig
vom Trainer immer ein Zwei-Säulen-System", sagt Vorstandschef
Karl-Heinz Rummenigge. Die Münchner wollten also zwei Transfermodelle
gleichzeitig vorantreiben. Doch dieses ausgewogene Konzept ging vor
allem in den letzten Jahren nicht auf. Die eine Säule, an der sich
Talente in das Profi-Geschäft hangeln sollten, war quasi nicht
existent. David Alaba ist nun seit sieben Jahren der letzte
Jugendspieler, der sich in der ersten Mannschaft der Münchner
durchsetzen konnte. Der verrückte Transfermarkt zwingt den FC Bayern
zu einem Umdenken. Das Nachwuchsleistungszentrum soll möglichst bald
den nächsten David Alaba hervorbringen. "Mit diesem Campus sind wir
auf der Überholspur", verspricht Vizepräsident Walter Mennekes.
Realistisch gesehen müssen die Bayern auf diesem Gebiet aber erst
einmal das Fahren lernen - zu groß ist aktuell der Unterschied zu
Clubs wie Leipzig oder Hoffenheim, die schon seit Jahren ihren
Nachwuchs nach modernsten Maßstäben ausbilden. Doch der FC Bayern hat
erkannt, dass die globale Entwicklung auf dem Transfermarkt zu
gefährlich wird - es ist zu ungewiss, ob der FCB die zweite Säule,
also den Wunsch, neue Hochkaräter an die Isar zu locken, noch lange
aufrecht erhalten kann. In der neuen Welt kehren die Münchner zu
alten Wegen zurück - hoffentlich mit Erfolg.
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Datum: 20.09.2017 - 18:09 Uhr
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